Handlungsfeld 5: Akzeptanz und Wertschätzung
Bis 2030 soll die kontinuierliche Betreuung von Schutzgebieten als zentraler Baustein für eine höhere Wirksamkeit und bessere Wertschätzung der Schutzmaßnahmen wesentlich ausgebaut werden. Entscheidend dafür ist eine nachhaltige, verständliche, zielgruppenspezifische und zeitgemäße Kommunikation sowie die aktive Einbindung von Landnutzer*innen, ehrenamtlichen Naturschützer*innen und der Bevölkerung. Dies kann zum Beispiel über Biologische Stationen, Landschaftspflegeverbände, Naturparke, lokale Naturschutzorganisationen und Informations- und Vernetzungsveranstaltungen von Naturschutzprojekten umgesetzt werden.
Grundlagen zu Akzeptanz und Wertschätzung
Die Natur ist die Lebensgrundlage für alle Menschen und darf nicht als Luxusproblem betrachtet werden. Sie liefert wichtige Ökosystemleistungen wie sauberes Wasser, fruchtbare Böden, gesunde Luft, Nahrungsmittel, Holz, Klimastabilität und Schutz vor Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Hitzewellen. Gleichzeitig reguliert sie zentrale Prozesse, die das Leben auf der Erde erst ermöglichen. Wissenschaftler*innen haben dafür das Konzept der Planetary Boundaries entwickelt – die „Belastungsgrenzen“ unseres Planeten. Dazu zählen unter anderem der Klimawandel, der Verlust von Arten, die Verschmutzung von Luft und Wasser sowie die Übernutzung von Böden und Ozeanen. Aktuell sind bereits sieben von neun dieser Belastungsgrenzen überschritten, was unsere Lebensgrundlagen ernsthaft gefährdet. Deshalb ist es entscheidend, die Natur zu erhalten und wiederherzustellen, vor allem für die Gesundheit, die Lebensqualität und die Zukunft der Menschen.
Herausforderungen für die Akzeptanz und Wertschätzung von Schutzgebieten
Die Akzeptanz und Wertschätzung von Schutzgebieten in Deutschland steht vor verschiedenen Herausforderungen. Häufig mangelt es an zielgruppenspezifischer, zeitgemäßer Kommunikation: Betroffene Personen wissen oft nicht genug über Ziele, Maßnahmen oder Nutzung von Schutzgebieten. Viele sorgen sich um die Verteilungsgerechtigkeit (wer profitiert, wer trägt Einschränkungen?) und wünschen sich Mitsprache bei der Nutzung der Flächen. Besonders bei Einschränkungen für Land- und Forstwirtschaft oder Freizeitaktivitäten kann es zu Konflikten kommen. Hinzu kommt die Befürchtung, dass durch Schutzgebiete Flächen für andere Nutzungen wie Wohnen, Landwirtschaft oder Energieerzeugung fehlen. Diese Faktoren führen zu Unsicherheiten und Ablehnung in Teilen der Bevölkerung und von Betrieben bzw. Unternehmer*innen. Verstärkt wird dies durch zunehmende populistische Debatten, die das Thema emotionalisieren und polarisieren.
Möglichkeiten zur Verbesserung
Akzeptanz entsteht durch Transparenz, frühzeitige Einbindung und verständliche, zielgruppenspezifische und zeitgemäße Kommunikation zu den vielfältigen Leistungen der Schutzgebiete für die Menschen vor Ort. Beteiligungsformate, die Raum für Sorgen, Werte und Perspektiven bieten, fördern gegenseitiges Verständnis. Wenn die Kommunikation zu Schutzgebieten stärker mit gesellschaftlichen Themen wie Gesundheit, Bildung oder regionaler Entwicklung verknüpft werden, kann dies zusätzlich die Bedeutung der Natur verdeutlichen und die Unterstützung in der Gesellschaft stärken.
Ziele
- Transparente Information und Kommunikation:
Entwicklung und Bereitstellung von Methoden für eine frühzeitige, verständliche und zielgruppengerechte Information über Ziele, Nutzen und Maßnahmen von und in Schutzgebieten. - Förderung der Partizipation und Mitbestimmung:
Entwicklung und Anwendung von Beteiligungsformaten auf Basis von Best-Practice-Beispielen zur aktiven Einbindung relevanter Akteur*innen. - Unterstützung von faktenbasierten Debatten:
Aufbereitung wissenschaftlich fundierter Inhalte zur Förderung sachlicher Diskussionen und zur Reduzierung von Desinformation.
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Kommunikationsmaterialien und Umweltbildung in Schutzgebieten
Formate für nachhaltige Bildung, Natur- und Umweltbildung sind entscheidend, um Verständnis, Wertschätzung und Verantwortungsbewusstsein für Natur und Artenvielfalt im Allgemeinen, und für Schutzgebiete im Spezifischen zu stärken und zudem Handlungskompetenzen zu vermitteln. Sie vermittelt Wissen und schafft die Grundlage dafür, dass Menschen sich aktiv für den Schutz ihrer Umwelt einsetzen. Voraussetzung dafür sind gute aufbereitete, leicht zugängliche und zielgruppengerechte Kommunikationsmaterialien– etwa für Schutzgebiete.
Um eine naturverträgliche Nutzung von Schutzgebieten sicherzustellen, sind zudem klare und verständliche Informationen im und über das Gebiet unerlässlich. Ziel ist es, den Schutz sensibler Lebensräume und Arten mit der Tourismus- Sport- und Erholungsnutzung von Natur und Landschaft in Einklang zu bringen. Dafür sind neben analogen Maßnahmen auch digitale Angebote wie Online-Kartendienste, Outdoor-Apps, Social Media und Informationssysteme zunehmend wichtig.
Herausforderungen für die Entwicklung von Kommunikationsmaterialien und Umweltbildung
Trotz ihrer zentralen Bedeutung wird Umweltbildung oft nicht ausreichend priorisiert. In Schutzgebieten fehlen häufig Ressourcen, Fachpersonal oder auch geeignete Materialien für die Umweltbildung. Bildungs- und Informationsangebote für Schutzgebiete sind oft verstreut, schwer auffindbar oder nicht zielgruppengerecht gestaltet. Dies erschwert den Zugang zu verlässlichen, motivierenden und verständlichen Informationen, die positive Zusammenhänge zwischen Menschen und Natur erläutern.
Möglichkeiten zur Verbesserung
Um Umweltbildung und vor allem Bildung für nachhaltige Entwicklung wirksamer zu machen, sind früh verankerte Bildungsinhalte, erlebnisorientierte Angebote vor Ort und moderne digitale Angebote notwendig, die auch die Handlungskompetenz stärken. Bildungsformate in Schutzgebieten – etwa durch Ranger*innen oder KlimaWildnisbotschafter*innen- bringen Naturwissen direkt zu den Menschen und machen komplexe Zusammenhänge begreifbar. Gleichzeitig erhöht die Bündelung und Digitalisierung von Angeboten die Reichweite, Auffindbarkeit und Qualität der Bildungsarbeit auch von Schutzgebieten. So kann Umweltbildung langfristig dazu beitragen, den Schutz von Natur und unseren Lebensgrundlagen in der Gesellschaft zu stärken.
Ziele
- Stärkung von Natur- und Umweltbildung:
Sichtbarmachung von Fortbildungen und Fördermöglichkeiten für weitere Bildungsangeboten von Schutzgebieten sowie Darstellung von Fördermöglichkeiten für Partnerprogrammen zwischen Schulen und Schutzgebieten zur Vermittlung praxisnaher Naturerfahrungen. - Ausbauen und Stärken von außerschulischen/dezentralisierten Bildungsangeboten:
Bereitstellung von bestehenden, und ggf. Entwicklung, von Bildungs- und Erlebnisangeboten für qualifizierte Fachkräfte wie Rangerinnen oder Ranger*innen, Klima- und Wildnismanager*innen. - Bildungs- und Informationsangebote zentral bündeln, digitalisieren und zielgruppengerecht gestalten:
Zentrale Sammlung, digitale Bereitstellung und zielgruppengerechte Aufbereitung von Bildungs- und Informationsangeboten zur Verbesserung von Zugänglichkeit und Reichweite.
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Gesellschaftliche und ökonomische Bedeutung von Schutzgebieten
Die Natur bildet die Grundlage unseres Lebens: Sie liefert sauberes Wasser, frische Luft, Nahrung, fördert Gesundheit und Wohlbefinden und schafft zugleich die Basis für wirtschaftliche Stabilität und regionale Wertschöpfung. Intakte Ökosysteme sichern Arbeitsplätze, etwa im Tourismus, und reduzieren nachhaltig Kosten für Gesundheit oder Klimaanpassung. Damit Naturschutz langfristig gelingt, braucht es Verständnis, Wertschätzung und eine breite gesellschaftliche Verankerung. Erst wenn Menschen die Natur erleben und ihren Nutzen erkennen, entsteht ein Bewusstsein für die Bedeutung der Schutzgebiete als gesellschaftlicher und ökonomischer Mehrwert.
Herausforderungen für die gesellschaftliche und ökonomische Bedeutung
Trotz ihres hohen Wertes ist Natur in vielen gesellschaftlichen Bereichen noch unterrepräsentiert. Naturschutz wird oft als Zusatzaufgabe gesehen und nicht systematisch in Politik, Wirtschaft, Bildung oder Kultur integriert (Mainstreaming). Der ökonomische Wert von Ökosystemleistungen ist vielen Menschen und Entscheidungsträger*innen kaum bekannt und fließt nicht ausreichend in Planungsprozesse ein. Dadurch bleiben die enormen Kosten durch den Verlust natürlicher Funktionen oft verborgen – etwa durch den Rückgang bestäubender Insekten, degradierte Böden oder geschädigte Küstenökosysteme. Zudem fehlt es oft an koordinierter Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft, um Naturschutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe umzusetzen.
Möglichkeiten zur Verbesserung
Naturschutz kann stärker in der Gesellschaft verankert werden, indem Naturleistungen sichtbarer gemacht, verständlich kommuniziert und konsequent in politische und wirtschaftliche Entscheidungsprozesse verstärkt einbezogen werden. Regelmäßige Bewertungen des ökonomischen Nutzens – zum Beispiel von Bodenschutz, Bestäubung oder Seegraswiesen – schaffen Transparenz über den wirtschaftlichen Wert dieser Ökosystemleistungen. Dadurch wird deutlich, dass Investitionen in den Erhalt und die Wiederherstellung natürlicher Lebensräume nicht nur ökologisch notwendig, sondern auch ökonomisch sinnvoll sind.
Vor diesem Hintergrund hat das BfN in verschiedenen Forschungsvorhaben die regionalökonomischen Effekte des Tourismus in Schutzgebieten untersucht. Die dabei gewonnenen Daten zeigen, welchen Beitrag Schutzgebiete zur regionalen Wertschöpfung leisten. Als datenbasierte Grundlage können diese für Kommunikation, Planung und Entscheidungsprozesse genutzt werden.
Darüber hinaus kann eine engere Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft innovative Lösungen fördern, die ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich tragfähig sind. So lässt sich der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen als gemeinsamer gesellschaftlicher Auftrag stärken.
Ziele
- Verankerung von Naturschutz in allen gesellschaftlichen Bereichen:
Zusammenstellung von Beiträgen der Politik, Bildung, Wirtschaft und Kultur zur Integration von Naturschutz- und Nachhaltigkeitsaspekten. - Sichtbarmachung des ökonomischen Wertes der Natur und ihrer Ökosystemleistungen:
Sichtbarmachung von Berechnungen und Darstellung von Kommunikationsmöglichkeiten in politische, planerische und wirtschaftliche Entscheidungsprozesse. - Ausbauen der Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft:
Entwicklung von gemeinsamen innovativen und nachhaltigen Lösungen zum Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen.