Handlungsfeld 3: Natürlicher Klimaschutz
Natürlicher Klimaschutz verbindet den Schutz von Klima und Natur. Intakte Ökosysteme können deutlich mehr Treibhausgase aufnehmen und speichern, als sie freisetzen. Beispiele für natürlichen Klimaschutz sind das Wiedervernässen von Mooren oder das Umgestalten von Wäldern zu einer naturnaher, vielfältigen Waldentwicklung. Schutzgebiete können zum natürlichen Klimaschutz beitragen, u.a. auch weil sie dauerhafte, nachhaltige Maßnahmen zum Natürlichen Klimaschutz gewährleisten können. Gleichzeitig sind Maßnahmen erforderlich, die dabei helfen, die Resilienz der Schutzgebiete gegenüber dem Klimawandel zu erhöhen, um Arten und ihre Lebensräume zu schützen und zu erhalten.
Beitrag zum natürlichen Klimaschutz
Schutzgebiete leisten einen wichtigen Beitrag zu Ökosystemleistungen und damit auch zum natürlichen Klimaschutz. Intakte Ökosysteme wirken als CO₂-Senken: Besonders Moore, Wälder, naturnahe Grünlandflächen, Auen und Feuchtgebiete sowie marine Schutzgebiete mit Seegraswiesen, Algenbeständen oder Küstenmarschen speichern große Mengen Kohlenstoff und reduzieren so Treibhausgase. Gleichzeitig schützen gesunde Ökosysteme das Klima indirekt, indem sie Klimafolgen abmildern. Überschwemmungsgebiete, Auen und Küstenzonen nehmen Wasser auf und dämpfen Hochwasser oder Sturmfluten. Auch im Meer wirken intakte Lebensräume als Puffer gegen Küstenerosion und Sturmschäden. Auf diese Weise verbinden Schutzgebiete Klimaschutz mit der Prävention von Naturkatastrophen und sichern gleichzeitig Lebensräume für Arten.
Herausforderungen im natürlichen Klimaschutz
Doch die Natur in Deutschland, auch innerhalb von Schutzgebieten, ist oft beeinträchtigt. Hohe Stoffeinträge aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft belasten Böden, Gewässer und Ökosysteme. Wälder sind häufig durch Monokulturen oder fehlende Strukturvielfalt geschwächt, wodurch ihre ökologische Funktion eingeschränkt wird. Auen, Moore und Küstenbereiche sind oft degradiert oder entwässert, wodurch ihre Funktion als CO₂-Speicher, Hochwasserschutz oder Küstenschutz vermindert ist. Auch marine Schutzgebiete sind durch Überfischung, Nährstoffeinträge und Habitatverlust belastet. Zugleich beeinflusst der Klimawandel selbst Schutzgebiete. Extremwetterereignisse nehmen zu und invasive Arten können sich mancherorts aufgrund klimatischer Veränderungen besser ausbreiten. Das zeigt, dass Schutzgebiete zwar eine zentrale Rolle für den Klimaschutz und die Klimaanpassung spielen, ihre Wirkung aber nur optimal ist, wenn die ökologische Qualität konsequent gesichert und negative Einflüsse bestmöglich reduziert werden.
Möglichkeiten zur Verbesserung
Die Wirkung von Schutzgebieten für den natürlichen Klimaschutz kann durch gezielte Maßnahmen deutlich gesteigert werden. Dazu gehören die Verbesserung der ökologischen Qualität von Ökosystemen, etwa durch Renaturierung von Mooren, Auen, Feuchtgebieten und Küstenbereichen sowie der Schutz und die Wiederherstellung mariner Lebensräume,wie Seegraswiesen und Algenbestände. Die Reduzierung von Belastungen durch Verkehr, Landwirtschaft und Industrie trägt ebenfalls dazu bei, die Klimaschutzfunktionen der Lebensräume zu erhalten. Zudem können Schutzgebiete besser miteinander vernetzt werden (z.B. durch den Biotopverbund), um die Resilienz gegenüber Klimafolgen wie Hochwasser, Sturmfluten oder Küstenerosion zu erhöhen und Wanderkorridore zu ermöglichen. Durch die Integration naturbasierter Lösungen in Planung und Management sowie durch Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung kann das Bewusstsein für den Wert der Ökosystemleistungen von Schutzgebieten gestärkt und der gesellschaftliche Nutzen von Naturschutzmaßnahmen sichtbar gemacht werden.
Ziele
- Schutz und Aufbau von Klimaschutzfunktionen:
Entwicklung und Bereitstellung von Maßnahmen, bestehenden Förderinstrumenten und Argumentationshilfen zur gezielten Förderung klimarelevanter Ökosysteme wie Moore, Wälder, Auen und marine Lebensräume. - Forschung zu naturbasierten Lösungen:
Sammlung und Aufbereitung von Forschungsergebnissen und Maßnahmen zur Unterstützung von Klimaanpassung und Schadensprävention in Schutzgebieten. - Stärkung der Kommunikation:
Entwicklung und Bereitstellung von Best-Practice-Ansätzen zur Vermittlung der Bedeutung von Schutzgebieten für den natürlichen Klimaschutz.
Resilienz der Schutzgebiete
Die Resilienz von Schutzgebieten – also die Fähigkeit von Lebensräumen, sich nach Störungen zu erholen – ist entscheidend, um die Folgen des Klimawandels abzufedern und die langfristige Funktionsfähigkeit von Ökosystemen zu sichern. Viele Lebensräume in Deutschland, darunter Feuchtgebiete, Moore, alpine Bergwiesen sowie Seegraswiesen, Kelp- und Algenbestände im Meer, reagieren empfindlich auf steigende Temperaturen, veränderte Niederschläge oder den Meeresspiegelanstieg. Die natürliche Anpassung von Arten wird zusätzlich erschwert, weil zerschnittene oder fragmentierte Landschaften die Wanderung zwischen geeigneten Lebensräumen behindern. Schutzgebiete müssen daher ökologische Qualität sichern, die Vernetzung der Lebensräume fördern und die Funktionsvielfalt stärken, um genetischen Austausch und Anpassungsfähigkeit der Arten zu gewährleisten. Der Erhalt intakter Natur ist bereits eine naturbasierte Lösung: Wälder, Moore, Auen und Seegraswiesen wirken als CO₂-Senken und mindern zugleich Naturkatastrophen wie Starkregen, Überschwemmungen oder Hitzewellen.
Herausforderungen für die Resilienz von Schutzgebieten
Die Umsetzung/ Herstellung und Erhaltung resilienter Schutzgebiete ist mit mehreren Herausforderungen verbunden. Viele Lebensräume sind fragmentiert oder degradiert, was die natürliche Wanderung von Arten einschränkt. Klimawandelbedingte Stressfaktoren wie Hitzeperioden, Starkregen, veränderte Niederschläge oder Meeresspiegelanstieg verschärfen die Situation für terrestrische Ökosysteme (z.B. Moorökosysteme, Feuchtgebiete, Bergwiesen Ökosystem) und marine Lebensräume (z.B. Seegras-Ökosystem, Kelpwald-Ökosystem). Hinzu kommen fehlende Daten zur ökologischen Qualität, begrenzte finanzielle und personelle Ressourcen sowie Flächenkonkurrenz zwischen Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft, Infrastruktur oder Energieerzeugung, die die Umsetzung wirksamer Maßnahmen erschweren.
Möglichkeiten zur Verbesserung
Die Resilienz von Biotopen und Ökosystemen lässt sich durch gezielte Vernetzung und eine stärkere ökologische Ausrichtung der Schutzgebiete erhöhen. Maßnahmen wie Renaturierung, Wiederherstellung degradierter Habitate und gezielte Pflege sensibler Lebensräume stärken die Funktionsvielfalt und den genetischen Austausch. Der Erhalt intakter Natur wirkt gleichzeitig als CO₂-Senke und kann Naturkatastrophen wie Hochwasser oder Hitze abmildern. Eine enge Abstimmung zwischen Management, Forschung und Monitoring sowie die Einbindung gesellschaftlicher Akteur*innen erhöht die Effektivität der Maßnahmen und sichert langfristig die Anpassungsfähigkeit der Ökosysteme.
Ziele
- Erhöhung der Resilienz der Ökosysteme:
Bereitstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse und praxisnaher Methoden zur Verbesserung des Schutzgebietsmanagements und zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Lebensräumen. - Verbesserung der Vernetzung der Lebensräume:
Entwicklung von Maßnahmen zur Verbindung fragmentierter Landschaften zur Unterstützung von Artenwanderung und Anpassungsfähigkeit. - Gezielter Schutz gefährdeter Ökosysteme:
Entwicklung und Bereitstellung von Best-Practice-Ansätzen zur prioritären Sicherung und Stärkung sensibler Lebensräume wie Moore, Feuchtgebiete, alpine Wiesen und Seegraswiesen.