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Bundesamt für Naturschutz

Handlungsfeld 2: Vernetzung

Verbesserung der Vernetzung zwischen Schutzgebieten

Dieses Handlungsfeld zielt darauf ab, Maßnahmen zu entwickeln, um die Vernetzung der Schutzgebiete untereinander, aber auch die Einbindung in die umgebende Landschaft zu verbessern. Dabei wird eine verbesserte Integration dieser Gebiete in bundes- und landesweite Biotopverbundsysteme sowie zu Nachbarländern angestrebt. Dies kann z.B. über Landschaftsschutzgebiete, in denen die streng geschützten Gebiete (z. B. Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten oder Naturschutzgebiete) eingebettet werden, erfolgen. Außerdem geht es in diesem Handlungsfeld auch um eine Vernetzung der Schutzgebietsakteur*innen.

Biotopverbund und Biotopvernetzung

Biotopvernetzung liegt vor, wenn für Tier- und Pflanzenarten ein Austausch zwischen Populationen möglich ist – also ein funktionaler Kontakt zwischen ihren Lebensräumen besteht. Aus ökologischer Sicht ist dies entscheidend für das Überleben der Arten in den einzelnen Biotopen, da nur so die erforderlichen Flächen- und Populationsgrößen (Minimumareale und Mindestpopulationsgrößen) gewährleistet werden. Besonders für wandernde Arten, wie zum Beispiel Amphibien, ist der Biotopverbund lebensnotwendig, da er sichere Wege zwischen geeigneten Habitaten schafft. Rechtlich verankert ist der Biotopverbund in den Paragraphen 20 und 21 des Bundesnaturschutzgesetzes. Diese sehen vor, dass deutschlandweit ein länderübergreifender Biotopverbund aufgebaut und rechtlich gesichert werden soll, der mindestens 10 % der Fläche jedes Bundeslandes umfasst. Auch auf politischer Ebene ist der Biotopverbund ein zentrales Ziel in den Biodiversitätsstrategien von Bund und Ländern. Er trägt darüber hinaus zur Verbesserung der Verknüpfung des europäischen Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000 bei.

Herausforderung in der Umsetzung des Biotopverbunds

Die Umsetzung eines funktionierenden Biotopverbunds ist anspruchsvoll: Häufig fehlen weniger die Daten als deren digitale, aggregierte und georeferenzierte Aufbereitung, wodurch ein belastbarer Überblick fehlt. Für ausbreitungsschwache Arten sind tierische Vektoren wichtig, doch ihre Durchwanderung der Landschaft erfordert sowohl geeignete Flächen als auch Akzeptanz. Während für Großsäuger gute Modelle vorliegen, mangelt es oft an Funktionskontrollen, die erst nach Einrichtung eines Verbunds möglich sind. Zusätzlich erschweren begrenzte Mittel und Zielkonflikte zwischen Landnutzungen die Umsetzung. Entscheidend bleibt die qualitative Ausstattung: Hohe Habitatqualität ist vor allem in Kern- und Trittsteinhabitaten notwendig, während verbindende Flächen vor allem barrierefrei sein müssen, um den Verbund wirksam zu machen.

Möglichkeiten zur Verbesserung

Zur effektiven Umsetzung des Biotopverbunds braucht es eine deutlich bessere Nutzung der bereits vorhandenen Datengrundlagen, modernere Planungsinstrumente und eine engere Zusammenarbeit aller beteiligten Akteur*innen. Es existieren viele relevante Daten, doch sie müssen stärker gebündelt, digital verfügbar und konsequent in der Planung eingesetzt werden. Digitale Kartierungen, Fernerkundung und einheitliche Bewertungsstandards können helfen, vorhandene Informationen besser auszuwerten und verbundrelevante Flächen präziser zu identifizieren. Entscheidend ist zudem, dass auf allen Ebenen – von Bund über Länder bis zu Regionen, Kreisen und Kommunen – eine verbindliche Biotopverbundplanung erfolgt und in Raumordnung sowie Landschaftsplanung integriert wird. Ein koordiniertes Vorgehen zwischen Naturschutzbehörden, Landwirtschaft, Forst, Verkehrsinfrastruktur, Wasserwirtschaft und kommunaler Planung bleibt hierfür essenziell, um Flächenkonflikte frühzeitig zu erkennen und tragfähige Lösungen zu entwickeln. Eine bessere Vernetzung der Akteurinnen und langfristige Förderprogramme mit verbindlicheren Zielvorgaben können stabile Rahmenbedingungen schaffen und die qualitative Entwicklung der Biotopverbundflächen wirksam unterstützen.

Ziele

  1. Verbesserung der Datenbasis:
    Optimierung, Vereinheitlichung und digitale Bereitstellung von Daten zu Flächen, Populationen und Habitatqualität zur gezielten Planung des Biotopverbunds.
  2. Sicherung von langfristiger Finanzierung:
    Entwicklung von Maßnahmen und Konzepten zur dauerhaften Finanzierung von Pflege, Schutz und Management des Biotopverbunds.
  3. Gewährleistung von effektiven Flächen und Qualität:
    Erhebung von Bedarfen und Verbesserung der Unterstützung für Schutzgebietsakteur*innen zur Bewältigung von Nutzungskonflikten und langfristigen Sicherung von Maßnahmen.

weiterführender Inhalt

Ausgewählte Publikationen

Vernetzung von Schutzgebietsakteur*innen

Die erfolgreiche Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen in Schutzgebieten hängt maßgeblich auch von der Vernetzung der unterschiedlichen Akteur*innen ab. Dazu zählen Akteur*innen aller Ebenen z. B. Bundes- und Landesämter, obere und untere Naturschutzbehörden, Kommunen, Naturschutzverbände, Landschaftspflegeverbände, Stiftungen, Privatbesitzer*innen, Landwirt*innen sowie Wissenschaft und Beratungseinrichtungen. Ein effektiver Austausch ermöglicht die Koordination von Managementmaßnahmen, Monitoring und Pflege und fördert die Nutzung von Ressourcen und Know-how. Des Weiteren trägt er dazu bei, dass gesetzliche Vorgaben, Förderprogramme und praxisnahe Schutzmaßnahmen aufeinander abgestimmt und umgesetzt werden. Nur durch enge Zusammenarbeit kann ein wirksamer, effizienter und nachhaltiger Naturschutz gewährleistet werden.

Herausforderungen der Vernetzung

Fehlt eine strukturierte Vernetzung, entstehen leicht parallele Strukturen und Prozesse, wodurch es zu vielen, unübersichtlichen Ansprechpartner*innen kommt. Der Austausch zwischen den heterogenen Mitgliedern der Schutzgebietsgemeinschaft findet meist nur in unregelmäßigen Abständen statt, wodurch Erfahrungen, Best-Practice-Beispiele und wichtige Informationen nicht flächendeckend geteilt werden. Zudem existiert bislang keine zentrale Plattform oder Übersicht, die alle bestehenden Netzwerke, Kooperationen und Unterstützungsangebote bündelt. Dies erschwert die Planung, Abstimmung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen und mindert eine effiziente Wirkung der Schutzgebietsnetzwerke.

Möglichkeiten zur Verbesserung

Zur Verbesserung des Austauschs und zur Nutzung vorhandener Synergien kann der Aktionsplan Schutzgebiete als zentrale Informationsplattform und Orientierungsrahmen dienen. Er bietet die Chance, bestehende Aktivitäten sichtbarer zu machen und Zusammenarbeit gezielter zu koordinieren.

Ziele

  1. Schaffung einer Plattform für Austausch und Zusammenarbeit:
    Aufbau einer zentralen Plattform zur Förderung eines regelmäßigen und aktiven Austauschs zwischen Schutzgebietsakteur*innen.
  2. Bündelung und Vereinfachung von Strukturen:
    Analyse bestehender Prozesse und Zusammenführung paralleler Strukturen und Zuständigkeiten zur Steigerung von Effizienz und Übersichtlichkeit.
  3. Sichtbarmachung von Netzwerken:
    Erfassung und übersichtliche Darstellung bestehender Netzwerke und Kooperationen zur besseren Nutzung von Synergien.

Vernetzung von nationalen und internationalen Zielen

Im deutschen Naturschutz wirken zahlreiche internationale, regionale und nationale Strategien, Ziele und Verordnungen ein. Auf europäischer Ebene setzen die EU-Schutzgebietsziele den Rahmen für die Ausweisung und den effektiven und strengen Schutz von Gebieten. Währenddessen gibt die EU-Wiederherstellungsverordnung verbindliche Ziele für die Renaturierung degradierter Ökosysteme vor. Zusätzlich bestehen im marinen Bereich regionale Strategien der OSPAR-Konvention zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks sowie der HELCOM-Kommission zum Schutz der Meeresumwelt der Ostsee. Auf EU-Ebene bestehen Verpflichtungen, etwa durch die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL), die den guten ökologischen Zustand der europäischen Meere sichern soll. Diese Verpflichtungen werden durch nationale Vorgaben, Gesetze und Strategien wie u.a. die Nationale Biodiversitätsstrategie, das Bundesnaturschutzgesetz oder das Wasserhaushaltsgesetz ergänzt, die Ziele für den Erhalt und die Entwicklung von natürlichen Lebensräumen und Arten festlegen.

Herausforderungen in der Erfüllung mehrerer Ziele 

Die Vielzahl der Programme, Strategien und Ziele bringen jedoch auch Herausforderungen mit sich. Unterschiedliche Prioritäten, Monitoring-Anforderungen und Zeitpläne können zu Überschneidungen und einer gewissen Unübersichtlichkeit führen. Da die zur Verfügung stehende Fläche für Schutz- und Wiederherstellungsmaßnahmen begrenzt ist, ist es entscheidend, die verschiedenen Ziele und Vorgaben besser miteinander zu verknüpfen. Nur durch ein koordiniertes Zusammendenken lassen sich Synergien nutzen, Zielkonflikte minimieren und die knappen Flächen so einsetzen, dass sie die größtmögliche Wirkung für den Schutz unserer Natur entfalten. Ebenso wichtig ist es, die Gesellschaft zu involvieren, um Akzeptanz für die unterschiedlichen Ziele zu schaffen. Denn nur mit breiter Unterstützung können die Maßnahmen langfristig erfolgreich umgesetzt werden.

Möglichkeiten zur Verbesserung

Um die Vielzahl internationaler, europäischer und nationaler Strategien, Ziele und Verordnungen besser umzusetzen, bietet sich eine engere Koordination und Verzahnung der unterschiedlichen Programme an. Einheitliche Planungs- und Monitoringstrukturen können Überschneidungen reduzieren, Synergien zwischen Maßnahmen fördern und die Nutzungen der begrenzten Schutzflächen optimieren. Darüber hinaus können digitale Plattformen und zentrale Informationssysteme helfen, den Überblick über Ziele, Maßnahmen und Zeitpläne zu behalten und die Transparenz zu erhöhen. Eine stärkere Einbindung der Gesellschaft, beispielsweise über Öffentlichkeitsarbeit, Umweltbildung oder Bürgerbeteiligung, unterstützt die Akzeptanz der Maßnahmen und erleichtert die Umsetzung in der Praxis. So lassen sich bestehende Strategien wirkungsvoller miteinander verbinden und die begrenzten Ressourcen effizient für Schutz unserer Natur einsetzen.

Ziele

  1. Verbesserung der Verzahnung und Koordination:Abstimmung der Anforderungen internationaler, europäischer und nationaler Strategien sowie Monitoring- und Berichtssysteme zur Nutzung von Synergien und Reduzierung von Aufwand.
  2. Effiziente Flächennutzung: 
    Gezielte Nutzung begrenzter Flächen und Kapazitäten durch bessere Abstimmung von Zielen zur Maximierung der Wirkung für den Naturschutz.
  3. Verbesserung des Informationsflusses: 
    Entwicklung von Maßnahmen zur Stärkung von Transparenz und Austausch mit der Gesellschaft zur Förderung von Verständnis und Unterstützung.

Strategien, Ziele und Verordnungen

Im deutschen Naturschutz wirken zahlreiche internationale, regionale und nationale Strategien, Ziele und Verordnungen ein. Im Folgenden finden Sie eine Auswahl: 

  • Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030 (NBS 2030) 
  • Aktionspläne zur NBS 2030 (z. B. der erste Aktionsplan für 2024-2027) 
  • Nationale Moorschutzstrategie 

  • EU-Biodiversitätsstrategie 2030
  • Verordnung (EU) zur Wiederherstellung der Natur (Nature Restoration Law, EU-Verordnung 2024/1991)
  • Fauna-Flora-Habitat Richtlinie (FFH-Richtlinie, RL 92/43/EWG) 
  • Vogelschutzrichtlinie (Richtlinie 2009/147/EG) 
  • Wasserrahmenrichtlinie (Richtlinie 2000/60/EG) 
  • Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (Marine Strategy Framework Directive) 

  • Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Ostseegebietes (Helsinki-Konvention 1992, HELCOM)
  • Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordost-Atlantiks (Oslo-Paris Konvention 1992, OSPAR)

  • Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) – globaler Rahmen, der auch in NBS 2030 und EU-Verordnungen wirkt.
  • Berner Konvention zur Erhaltung europäischer wildlebender Tiere und ihrer Lebensräume

  • Schutzgebietskategorien und -systeme (Nationalparks, Biosphärenreservate, Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, Naturparke usw.)
  • Biotopverbund und Biotopschutz (§§ 20–30)
  • Artenschutz (insbesondere §§ 37–55, Schutz wildlebender Arten und ihrer Lebensstätten)
  • Meeresnaturschutz (§§ 56–58)

Vernetzung mit Gruppen außerhalb der Schutzgebiete

Die Vernetzung relevanter Akteur*innen auch außerhalb des Schutzgebietskontextes ist für den Naturschutz in Deutschland von entscheidender Bedeutung. Dazu zählen unter anderem Personen in Industrie, Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, Fischerei, Jagd sowie weitere Nutzungen und Stakeholder, die direkt oder indirekt auf Natur und Landschaft einwirken. Ein enger Austausch ermöglicht, die Interessen und Aktivitäten dieser Gruppen frühzeitig zu berücksichtigen, Konflikte zu vermeiden und gemeinsam naturverträgliche Lösungen zu entwickeln. Nur durch die Einbindung aller relevanten Akteur*innen können Naturschutzmaßnahmen effektiv umgesetzt, Interessenskonfliktes minimiert und langfristige Erfolge für Arten, Lebensräume und ökologische Prozesse gesichert werden. Darüber hinaus sollte der Unterstützerkreis auf Themen wie Gesundheit, Ernährung und One-Health-Themen erweitert werden, um Synergien zwischen Naturschutz und gesellschaftlichen Interessen zu nutzen.

Herausforderungen in der Vernetzung 

Die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und anderen Akteur*innen stößt auf verschiedene Herausforderungen. Die begrenzt verfügbare Fläche für Schutz- und Nutzung führt oft zu Interessens- und Zielkonflikten zwischen Naturschutz, Landwirtschaft, Forst, Fischerei oder Industrie. Häufig fehlen zudem konkrete Anreize, um Naturschutzmaßnahmen aktiv umzusetzen. Ein weiteres Problem ist die Kommunikation: Der Austausch zwischen Naturschutzakteur*innen und anderen Gruppen ist oft komplex und es gelingt nicht immer eine gemeinsame Sprachebene zu finden. Durch einen hohen Informationsfluss zu vielen unterschiedlichen Themen kommen wichtige Informationen über Maßnahmen, Förderungen oder Handlungsempfehlungen nicht immer klar und nachvollziehbar oder zielgerichtet an. 

Möglichkeiten zur Verbesserung

Die Vernetzung zwischen Naturschutzakteur*innen und anderen relevanten Stakeholdern kann durch strukturierte Austauschformate, Plattformen und Kooperationsprojekte deutlich verbessert werden. Solche Maßnahmen erleichtern die frühzeitige Abstimmung von Interessen, die gemeinsame Planung von Maßnahmen und die Minimierung von Zielkonflikten. Zudem können Anreize und Förderinstrumente gezielt eingesetzt werden, um die Beteiligung von Landwirtschaft, Forst, Fischerei, Industrie oder anderen Nutzungsbereichen zu stärken. Durch die Einbindung weiterer gesellschaftlicher Themenbereiche wie Gesundheit, Ernährung oder One-Health-Initiativen lassen sich Synergien schaffen und gleichzeitig die Akzeptanz und Wertschätzung von Natur und Naturschutz in der Öffentlichkeit erhöhen. Schließlich können durch den Austausch von Best-Practice-Beispielen und wissenschaftlicher Forschung die Qualität der Zusammenarbeit kontinuierlich verbessert und innovative, naturverträgliche Lösungen erprobt werden. Dabei ist es wichtig, die Formulierungen und Kommunikationswege so zu gestalten, dass alle Beteiligten die Inhalte nachvollziehen und aktiv in die Maßnahmen einbezogen werden können.

Ziele

  1. Förderung von Kommunikation, Austausch und Vertrauen:
    Schaffung und Weiterentwicklung von Formaten und Plattformen für einen konstruktiven Dialog zwischen Naturschutzakteur*innen und weiteren Stakeholdern.
  2. Entwicklung von multifunktionalen Landschaften:
    Erfassung von bestehenden und ggf. Entwicklung von neuen Maßnahmen um Nutzung und Schutz von Flächen so zu gestalten, dass Naturschutz, Landwirtschaft, Forst, Fischerei (u.a.) in Einklang gebracht werden anhand von best-practice Beispielen. 
  3. Verbreitung von Best-Practice-Lösungen und Stärkung der Forschung:
    Darstellung erfolgreicher Kooperationsmodelle sowie Förderung von Austausch, Beratung und weiterer Forschung zur Verbesserung der Zusammenarbeit.
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