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Bundesamt für Naturschutz

Kartendarstellung

Gesamtindikator Artenvielfalt und Landschaftsqualität

Monitoring
Der Indikator Artenvielfalt und Landschaftsqualität wurde als Schlüsselindikator für die Nachhaltigkeit von Landnutzungen im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie (Bundesregierung 2002) entwickelt und in die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) übernommen. In der NBS 2030 ist er übergreifender, zentraler Indikator der Vision 2050. Der Indikator Artenvielfalt und Landschaftsqualität wird daher regelmäßig im Rahmen der Berichterstattung zur NBS, zuletzt im Indikatorenbericht 2023 zur NBS (BMUV 2023) sowie für die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) auf der Webseite zu den DNS-Indikatoren als Indikator 15.1 berichtet (Statistisches Bundesamtes).
Diagramm Teilindikator Artenvielfalt und Landschaftsqualität - Hauptindikator Vergrößern
Stand der Fachdaten: 2026

Erläuterungen zu Trend und Status

Der Trend wird dabei nach einem statistischen Verfahren (Rangkorrelationskoeffizient nach Spearman) unter Verwendung der letzten 11 Datenpunkte, bei jährlicher Datenerhebung der letzten 10 Jahre, ermittelt (Ackermann et al. 2011). Die Ergebnisse der Berechnungen werden folgendermaßen klassifiziert:

  • Statistisch signifikanter Trend hin zum Ziel.
  • Kein statistisch signifikanter ansteigender oder abfallender Trend feststellbar.
  • Statistisch signifikanter Trend weg vom Ziel.

Zusätzlich können Aussagen zum Grad der aktuellen Zielerreichung (Status) getroffen werden. Für den Status wird der Abstand zwischen dem letzten Datenpunkt und dem Zielwert ermittelt und in eine von vier Klassen eingeordnet. Das Ergebnis wird mithilfe von vier Symbolen visualisiert. Dabei gelten folgende Klassengrenzen für den Grad der Zielerreichung:

  • Der aktuelle Wert liegt innerhalb des Zielbereiches (Zielerreichungsgrad ≥ 90 %).
  • Der aktuelle Wert liegt in der Nähe des Zielbereiches (80 % bis < 90 %). 
  • Der aktuelle Wert liegt noch weit vom Zielbereich entfernt (50 % bis < 80 %).
  • Der aktuelle Wert liegt noch sehr weit vom Zielbereich entfernt (< 50 %).
Die historischen Werte für die Jahre 1970 und 1975 sind rekonstruiert. Die Datengrundlagen der Vogelarten basieren auf regelmäßig wiederholten standardisierten Erhebungen auf repräsentativen Teilflächen. Die jährlichen Bestandswerte werden mithilfe statistischer Modellrechnungen ermittelt, in einzelnen Jahren werden Werte bei einzelnen Arten extrapoliert.
JahrZielerreichungsgrad in Prozent
1970214,0
1975188,0
1990136,8
1991127,9
1992120,0
1993126,3
1994126,9
1995113,4
1996119,4
1997108,6
1998102,1
1999109,0
2000101,9
200199,8
200293,2
200389,0
200492,8
200591,4
200686,6
200787,4
200888,6
200982,7
201079,5
201177,0
201280,6
201377,1
201476,1
201579,9
201680,1
201775,8
201873,7
201975,4
202081,6
202181,9
202280,4
202381,3
202481,2
  
2030100,0

Themenfelder der NBS 2030

Vision 2050: übergreifender, zentraler Indikator

Definition 

Index (Maßzahl in Prozent) über die bundesweiten Bestandsgrößen ausgewählter repräsentativer Vogelarten in Nutzungs- und Landschaftstypen. Der Gesamtindikator setzt sich aus den vier Teilindikatoren Agrarland, Wälder, Siedlungen und Binnengewässer zusammen. 

Zielwert 

Im Jahr 2030 soll ein Zielwert von 100 Prozent erreicht werden. Dafür wurden zunächst  artspezifische Zielwerte für das Jahr 2030 bestimmt. Wenn die Regelungen geltender Gesetze und aktueller Strategien zum Schutz der biologischen Vielfalt und zur Nachhaltigkeit umgesetzt werden, erreichen die Bestände der Indikatorvogelarten die jeweils gesetzten Zielwerte. Teilindikatoren und Gesamtindikator erreichen dann ebenfalls das Ziel im Jahr 2030.  

Kernaussage

Der Indikatorwert für den Gesamtindikator liegt 2024 bei 81 Prozent. Über die letzten zehn Berichtsjahre (2014 bis 2024) ist ein statistisch signifikanter Trend hin zum Ziel feststellbar. Der aktuelle Wert des Gesamtindikators und der Teilindikatoren Wälder, Siedlungen, Binnengewässer sowie Küsten und Meere liegen in der Nähe des Zielbereichs. Der Wert des Teilindikators Agrarland liegt noch weit vom Zielbereich entfernt. Der Gesamtindikator sowie die Teilindikatoren Wälder und Siedlungen zeigen einen statistisch signifikanten Trend hin zum Ziel. Auch wenn sich der Gesamtindikator hin zum Ziel entwickelt, sind weiterhin Anstrengungen von Bund, Ländern und auf kommunaler Ebene in allen relevanten Politikfeldern notwendig, um das Ziel von 100 Prozent im Jahr 2030 zu erreichen.

Aufbau des Indikators

Der Berechnung des Indikators liegt die Entwicklung der Bestände von derzeit 51 Vogelarten zugrunde, die die wichtigsten Nutzungs- und Landschaftstypen in Deutschland repräsentieren (Agrarland, Wälder, Siedlungen, Binnengewässer, Küsten und Meere). Die Größe der Bestände (nach Anzahl der Reviere beziehungsweise Brutpaare) spiegelt die Eignung der Landschaft als Lebensraum für die ausgewählten Vogelarten wider. Da neben Vögeln auch andere Arten an eine reichhaltig gegliederte Landschaft mit intakten, nachhaltig genutzten Lebensräumen gebunden sind, bildet der Indikator indirekt auch die Entwicklung zahlreicher weiterer Arten in der Landschaft und die Nachhaltigkeit der Landnutzung ab.

Der Indikator wurde in den Jahren 2019-2022 im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsvorhabens des BfN überprüft und angepasst (Dröschmeister et al. 2025). Es wurden unter anderem die Zielwerte des Indikators, sowie die Artenauswahl unter Einbeziehung aktueller Rahmenbedingungen erneuert. Die Datenreihen wurden nach der Überarbeitung des Indikators rückwirkend neu berechnet. Der Gesamtindikator setzt sich aus den vier Teilindikatoren Agrarland, Wälder, Siedlungen und Binnengewässer zusammen. Der Teilindikator Küsten und Meere wird dem Gesamtindikator zur Seite gestellt. Der Teilindikator Alpen ist zurzeit ausgesetzt, weil die Datenbasis für eine Berichterstattung derzeit noch nicht ausreichend ist.

Aussage

Der Indikatorwert für den Gesamtindikator liegt im Jahr 2024 bei 81 Prozent und damit in der Nähe des Zielbereichs. Über die letzten zehn Berichtsjahre (2014 bis 2024) ist ein statistisch signifikanter Trend hin zum Ziel feststellbar. Zur Zielerreichung bis zum Jahr 2030 sind für den Gesamtindikator weitere Anstrengungen notwendig. Der Gesamtindikator zeigte zuletzt keinen feststellbaren Trend. Die Gründe für die Änderung bezüglich der Trendrichtung müssen genauer untersucht werden. In Betracht kommen dabei sowohl Änderungen hinsichtlich der Nutzungspraktiken als auch Faktoren wie die Wirkung des Klimawandels.

Fachstudien nennen als die wichtigsten Ursachen für die bestehende Belastung der Artenvielfalt und Landschaftsqualität in der Fläche die intensive landwirtschaftliche Nutzung, die Zerschneidung und Zersiedelung der Landschaft, die Bodenversiegelung sowie großräumige Stoffeinträge (zum Beispiel Säurebildner oder Nährstoffe). Ein weiteres Umsteuern hin zu einer naturverträglichen Nutzung der Kulturlandschaft ist geboten. Naturnahe Wälder und die natürliche Waldentwicklung müssen gefördert werden, um die Ziele des Schutzes biologischer Vielfalt zu erreichen. Eine Bereitstellung von Flächen für eine natürliche Gewässerdynamik dient dem Schutz spezialisierter Arten und Lebensräume, erhöht die Retention und mindert auch das Risiko von Hochwasserereignissen. Im Siedlungsbereich wirken sich Verluste an naturnahen Flächen und dörflichen Strukturen negativ aus. Der Ausbau von Infrastruktur (v. a. Straßen und Windenergieanlagen) führt in allen Lebensräumen zur Zerschneidung, die Auswirkungen müssen deshalb nach Möglichkeit zunächst vermieden oder ausgeglichen werden. Gefährdungsfaktoren für Lebensräume an der Küste sind Störungen durch eine hohe Freizeitnutzung, intensive landwirtschaftliche Nutzung und die Verbauung, z. B. durch Küstenschutzmaßnahmen und den Ausbau von Windenergieanlagen. Um beim Gesamtindikator und bei allen Teilindikatoren einen positiven Trend zu erreichen oder zu halten und die in Strategien und Gesetzen zum Naturschutz und zur Nachhaltigkeit festgelegten Ziele zu erreichen, bedarf es erheblicher zusätzlicher Anstrengungen von Bund, Ländern und auf kommunaler Ebene in allen relevanten Politikfeldern. Ein besonderer Fokus sollte dabei auf die Agrarlandschaft gelegt werden.