HessenHamster: Zukunftsfähige Wildvorkommen des Feldhamsters in Hessen und Rheinhessen - Wilde Wetterau
Beschreibung
Hintergrund
Der Feldhamster gilt laut IUCN seit 2020 als weltweit vom Aussterben bedroht. Auch die hessischen Bestände sind in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Klimawandel, genetische Verarmung sowie ungünstige Bedingungen auf landwirtschaftlichen Flächen machen dem Feldhamster zu schaffen. Durch die genannten Faktoren verringert sich die Reproduktionsrate und es ergibt sich ein sich selbst verstärkender Aussterbestrudel. Der Großteil der hessischen Vorkommen befindet sich daher in einem schlechten Erhaltungszustand. Trotzdem liegen in Hessen noch die wichtigsten Verbreitungsschwerpunkte der Art in Westdeutschland, was auf das bereits langjährige Engagement und die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft zurückzuführen ist.
Projekt
Das Verbundvorhaben „HessenHamster“ ist ein bundeslandübergreifendes Umsetzungsprojekt für den vom Aussterben bedrohten Feldhamster (Cricetus cricetus), eine nach FFH-Richtlinie streng geschützte Art und laut IUCN akut gefährdet. Unter Leitung der AG Feldhamsterschutz der HGON e. V. wird das Projekt gemeinsam mit Partnern aus Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg umgesetzt. Grundlage ist der BfN-Leitfaden für Zucht- und Wiederansiedlungsmaßnahmen. Durch abgestimmte Zuchtprogramme an mehreren Standorten sowie koordinierte Auswilderungen wird der genetischen Verarmung isolierter Populationen entgegengewirkt.
Im Schwerpunktgebiet Wetterau, dem wichtigsten Verbreitungsschwerpunkt in Westdeutschland, sollen bestehende, jedoch stark geschwächte Populationen durch Lebensraumaufwertung und Bestandsstützung stabilisiert werden. Im zweiten Schwerpunktgebiet (Main-Taunus-Kreis/Wiesbaden) wird ein stark isoliertes Reliktvorkommen gesichert und durch Wiederansiedlungen in angrenzenden Räumen ergänzt. Durch die Bündelung der Teilprojekte entstehen Synergien in Zucht, Maßnahmenumsetzung und Akteursvernetzung. Gleichzeitig ermöglicht dieser Ansatz, unterschiedliche Ausgangssituationen gezielt zu adressieren. Die enge Zusammenarbeit mit Landwirtschaft, Jägerschaft, Behörden und Kommunen sowie die Entwicklung abgestimmter Maßnahmenkulissen sind zentrale Erfolgsfaktoren für die nachhaltige Stabilisierung der Art.
Ausblick
Die im Projekt generierten Ergebnisse leisten einen direkten Beitrag zum praktischen Artenschutz des Feldhamsters sowie zur Weiterentwicklung bundesweiter Schutzstrategien. Die erprobten Ansätze zur Kombination von Lebensraumaufwertung und genetischem Management werden wissenschaftlich begleitet, evaluiert und als Best-Practice Modelle aufbereitet. Dadurch entsteht ein praxisnaher Methodenkatalog für zukünftige Artenhilfsprogramme. Insgesamt werden die Projektergebnisse sowohl operativ im Naturschutz umgesetzt als auch strategisch für Forschung, Planung und Politik nutzbar gemacht und tragen so zur nachhaltigen Sicherung der Art bei.