Maßnahmen des natürlichen Klimaschutzes im Siedlungsbereich - wissenschaftliche Begleitforschung zu Förderrichtlinien
Das Forschungsvorhaben untersucht drei Förderrichtlinien des Handlungsfeldes 7 des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz und analysiert deren Wirkung auf Klima- und Biodiversitätsschutz sowie die Resilienz von Ökosystemen im Siedlungsbereich. Ziel ist es, Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Förderung und die bessere Übertragbarkeit erfolgreicher Maßnahmen abzuleiten.
Beschreibung
FKZ 3524NK7100
Hintergrund
Mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) will die Bundesregierung entscheidend dazu beitragen, den allgemeinen Zustand der Ökosysteme in Deutschland deutlich zu verbessern und so ihre Resilienz und ihre Klimaschutzleistung zu stärken. Diese Leistungen umfassen Minderung, Anpassung und Negativemissionen. Im Fokus stehen Klimaschutzmaßnahmen, die die Natur widerstandsfähiger machen, indem sie die Biodiversität stärken und zugleich einen dauerhaften Beitrag zum Erreichen der nationalen Klimaschutzziele im Landnutzungssektor (LULUCF) leisten.
Der Weltklimarat (IPCC) betont u. a., dass CO2-Senken mittels naturbasierter Klimaschutzmaßnahmen zum Erreichen des 1,5 Grad - Ziels beitragen müssen.
Die Maßnahmen in diesem Aktionsprogramm sind darauf ausgerichtet, neben dem Ausbau der Klimaschutzwirkung als Hauptziel auch die Resilienz der Ökosysteme gegen die immer größer werdenden Herausforderungen zu stärken und so ihre vorhandene Klimaschutzwirkung zu sichern.
Projekt
Zu den geförderten investiven Maßnahmen des natürlichen Klimaschutzes im Siedlungsbereich (vgl. Handlungsfeld 7 des ANK) zählen die Umstellung auf naturnahes Grünflächenmanagement, die Pflanzung von Gehölzen, die Anlage von Wegrainen und -säumen, die Schaffung von Naturoasen, die Renaturierung und Vernetzung extensiv genutzter Flächen, die Entsiegelung und Wiederherstellung natürlicher Bodenfunktionen, die Begrünung von Gebäuden, ein dezentrales Niederschlagsmanagement sowie weitere Maßnahmen im kommunalen Bereich, auf Betriebsgeländen und in der freien Landschaft.
Das Vorhaben nimmt eine unabhängige, vertiefte Analyse der Förderrichtlinien (FRL) „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ (ANK-NKK), „Natürlicher Klimaschutz in kommunalen Gebieten im ländlichen Raum“ (ANK-LK) und „Förderung von Maßnahmen des Natürlichen Klimaschutzes in Unternehmen“ (KfW-Umweltprogramm – ANK-UP) des Handlungsfelds 7 und anteilig des Handlungsfelds 6 (Maßnahme Entsiegelung) des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz vor. Aufbauend auf den Auswertungen werden Handlungsempfehlungen hinsichtlich der Fortentwicklung der o. g. Förderrichtlinien erarbeitet.
Die Nachfrage nach der Förderung durch das Aktionsprogramm ist deutschlandweit auf große Resonanz gestoßen; es konnten bisher über 2500 Projekte in dem betreffenden Handlungsfeld des ANK bewilligt werden (Stand April 2026). Im Hinblick auf die Fortentwicklung des Aktionsprogramms soll nun im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitforschung eine systematische Betrachtung der geförderten Projekte vorgenommen werden.
Die Erkenntnisse aus diesem Begleitforschungsvorhaben bieten eine Schnittstelle zur externen Evaluation, um die Fortentwicklung der Förderrichtlinien anhand empirisch abgeleiteter Handlungsempfehlungen zu unterstützen.
Die Begleitforschung setzt sich aus einem interdisziplinären Team bestehend aus gruppe F | Freiraum für alle GmbH und dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz als Auftraggeber zusammen.
Übergeordnet untersucht die Begleitforschung, wie Klimaschutz, Biodiversität und soziale Belange in den Maßnahmen optimal verbunden werden können und wo Zielkonflikte – etwa zwischen Bodenentsiegelung und Siedlungsentwicklung – bestehen. Zudem wird analysiert, welche Erfolgsfaktoren die Übertragung von Maßnahmen auf andere Regionen ermöglichen und wie rechtliche, finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen verbessert werden können, um die Umsetzung zu beschleunigen.
Der Schwerpunkt liegt auf der Analyse der Qualität der investiven Maßnahmen im Siedlungsbereich. Hier wird untersucht, wie diese Maßnahmen weiter ausgebaut und optimiert werden können, um ihre Wirksamkeit und Nachhaltigkeit zu steigern. Dazu wird u. a. die Wirksamkeit der Maßnahmen mit Blick auf die Erreichung der Ziele Klimaschutz, Schutz der biologischen Vielfalt, Steigerung der Resilienz der Ökosysteme und ggfs. weiterer Synergiewirkungen des HF 7 (siehe ANK-Gutachten 2025) untersucht und bewertet.
Die Begleitforschung trägt dazu bei, die Umsetzung der Förderung sowie deren Erfolge und übertragbaren Erkenntnisse gegenüber der Fachöffentlichkeit zu dokumentieren. Der Erkenntnisgewinn ist zudem für die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung relevant, die auf eine Durchgrünung von Siedlungsbereichen abzielt, u. a. durch verstärkte Baumpflanzungen und die Erhöhung des städtischen Grünanteils.
Dabei stehen folgende programmübergreifende Forschungsfragen im Mittelpunkt:
- Wie kann durch strukturierte Datenerhebung und Berichterstattung eine hohe Prozessqualität sichergestellt werden?
- Wie lassen sich Synergien zwischen den verschiedenen Förderrichtlinien und geförderten Maßnahmen – etwa zwischen Entsiegelung und der Stärkung der Lebensraumfunktion – nutzen und verstärken?
- Wie können die Ziele der EU-Wiederherstellungsverordnung besser in die ANK -Maßnahmen integriert werden?
- Wie können neue wissenschaftliche Erkenntnisse und veränderte rechtliche Rahmenbedingungen in die Förderrichtlinien einfließen?
- Welche Potenziale ergeben sich durch die Zusammenarbeit verschiedener Akteur:innen, wie Kommunen, Unternehmen und Naturschutzverbände?
- Welche Projekte eignen sich als Modellvorhaben, die eine Vorbildfunktion für andere Regionen oder Zielgruppen übernehmen können?