Risikobewertung komplexer gentechnisch veränderter Organismen (GVO) ohne Komparator
Beschreibung
Hintergrund
Bisherige Bewertungsansätze für gentechnisch veränderte Pflanzen (GVP) basieren auf einem vergleichenden Ansatz der GVP mit der unveränderten Ausgangspflanze, bei denen es sich in der Regel um bekannte Nutzpflanzen handelt. Für diese Nutzpflanzen wird in den meisten Fällen eine „history of safe use“ (sichere Nutzung auf Basis langjähriger Erfahrung) sowie eine „familiarity“ (sicheres Umweltverhalten) angenommen.
Neue gentechnische Methoden erlauben es, immer komplexere Veränderungen in Pflanzen einzufügen, deren Eigenschaften stärker von den Ausgangspflanzen abweichen (z.B. Pflanzen mit neuen Stoffwechselwegen oder Stresstoleranz). Weiterhin erweitert sich das Spektrum der modifizierten Pflanzenarten, so dass eine Markzulassung von GVP erwartet wird, für die keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen, um die Konzepte der „history of safe use“ oder der „familiarity“ anwenden zu können.
Ziele
Mit dem Vorhaben wird untersucht, unter welchen Bedingungen eine vergleichende Risikobewertung nicht mehr sinnvoll ist und welche Alternativen zur Bewertung zur Verfügung stehen.
Ergebnisse
Die Analysen zeigen, dass ein vergleichender Ansatz nicht in allen Fällen in die Bewertung von Umweltrisiken eingebunden werden kann. Die Autoren schlagen daher vor, bei der Risikobewertung komplexer GVP stärker auf Versuche mit Pflanzen im Freiland zurückzugreifen und dabei bestimmte, schutzgutbezogene Wirkhypothesen abzuprüfen. Für Effekte auf die Umwelt spielen Risiken, die mit einer möglichen Persistenz und Invasivität der GVP verbunden sind eine besondere Rolle. Entsprechende Risiken können am besten ohne Vergleich mit der Ausgangspflanze über mathematische Modelle geprüft werden. Es wird daher empfohlen solche Modelle – und entsprechende Bewertungskonzepte - in der Zukunft zu entwickeln. Dafür ist auch erforderlich, standardisierte Methoden zu etablieren, mit denen z.B. eine Überdauerung oder Konkurrenzkraft von GVP in der Umwelt (einschl. nicht-Agrarflächen) gemessen werden kann.