24. Vilmer Sommerakademie: Naturschutz und soziale Gerechtigkeit
Soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind Voraussetzungen für das Wohlergehen von Menschen. Sie sind zugleich Voraussetzungen für einen wirksamen Schutz der Natur. In öffentlichen Debatten werden diese Anliegen jedoch zunehmend gegeneinander ausgespielt, als seien es konkurrierende, nicht miteinander vereinbare Ziele. Dabei zeigt sich immer deutlicher: Naturschutz, sozial-ökologische Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind aufeinander verwiesen. Das gilt besonders in einer Zeit, in der demokratiefeindliche Kräfte vermeintliche Zielkonflikte gezielt für sich nutzen.
Die 24. Vilmer Sommerakademie widmete sich den Wechselbeziehungen zwischen diesen Anliegen. Seit 2001 bringt die Sommerakademie jährlich Vertreter*innen aus Naturschutzbehörden, -verbänden, Politik und Praxis mit Forschenden aus Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften zusammen. Auf der Internationalen Naturschutzakademie Insel Vilm diskutieren sie über mehrere Tage vertieft ein grundlegendes Thema des Naturschutzes. Die Sommerakademie zeichnet sich durch ihren interdisziplinären, insbesondere ethisch reflektierten Zugang aus. Damit bietet sie einen in Deutschland einzigartigen Raum, um naturschutzpolitisch relevante Fragen offen und konzeptionell zu erörtern.
Bei der diesjährigen Veranstaltung galt ein erster Schwerpunkt der Frage, wie sozial-ökologisch gerechter Naturschutz gelingen kann: Wer trägt die Lasten und Kosten von Klimaschutzmaßnahmen? Droht die Begrünung von Städten zur Verdrängung einkommensschwacher Bevölkerungsgruppen zu werden? Und wie lassen sich Landschaften, die durch Bergbau geprägt sind, so gestalten, dass ökologische und soziale Interessen zusammenfinden statt auseinanderzudriften?
Der zweite Schwerpunkt widmete sich der gesellschaftlichen Teilhabe: Wer hat überhaupt die Möglichkeit, Natur zu erleben – und wer wird gehört, wenn über ihren Schutz entschieden wird? Dabei ging es um Zugang, Bildung und die Frage, wie Naturschutz demokratischer und inklusiver werden kann, insbesondere gegenüber gesellschaftlichen Gruppen, die bislang wenig Gehör finden. Die Diskussionen zeigten, dass Naturschutz gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken kann.
Im dritten Schwerpunkt ging es grundsätzlicher um das Verhältnis von Gesellschaft und Natur selbst: Im Mittelpunkt standen die Bilder, Machtverhältnisse und Praktiken, die unserem Naturschutz zugrunde liegen, sowie die Frage, wie Naturschutz immer wieder gesellschaftlich neu ausgehandelt werden kann.
Am Ende stand die übergreifende Frage: Wie lassen sich die gefundenen Synergien politisch und praktisch wirksam machen?