ANK-Projekt des Monats: Neue Lebensräume an Burg Vischering
Wie lassen sich historische Wassergräben ökologisch aufwerten und fit für den Klimawandel machen? Der Kreis Coesfeld zeigt rund um die Burg Vischering im Münsterland, wie Natürlicher Klimaschutz und Denkmalschutz zusammenwirken können. Im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) werden im Projekt „Nachhaltige Entwicklung der Gräften der Burg Vischering“ die Außen- und Innengräften ökologisch aufgewertet.
Vor Projektbeginn waren beide Gewässer in einem schlechten Zustand. Die Außengräfte war zunehmend verlandet. Wasservögel hatten Schilf und Wasserpflanzen nahezu vollständig abgefressen, ihr Kot führte zu einem hohen Nährstoffeintrag und verstärkte die Schlammbildung. Zudem kam es zu Botulismus-Verdachtsfällen, an denen zahlreiche Enten verendeten. Zum Schutz der Vögel wurde die Außengräfte 2022 trockengelegt. Auch die Innengräfte war stark verschlammt: Hier hatte sich eine bis zu 1,20 Meter dicke Schlammschicht gebildet. Fäulnis und Sauerstoffmangel gefährdeten die Lebensbedingungen für Fische und andere Wasserlebewesen.
Ziel des Projekts ist es, die Gewässer ökologisch aufzuwerten und widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels zu machen. Dafür wurde die Außengräfte neu gestaltet und in zwei Bereiche unterteilt: Im Norden entsteht eine Sumpflandschaft mit Flachwasserzonen, im Süden ein dauerhaftes, tieferes Gewässer. Schwimmende Inseln helfen, überschüssige Nährstoffe abzubauen und den Sauerstoffgehalt des Wassers zu verbessern. Sie bieten Fischen Schutz vor Kormoranen. Ihre Blüten fördern zudem die Artenvielfalt.
Die Innengräfte wurde mit einem biologischen Verfahren entschlammt. Dafür wurden Membranschläuche auf dem Schlamm verlegt, die schonend Sauerstoff ins Wasser bringen. So können Mikroorganismen den organischen Schlamm auf natürliche Weise abbauen. Das schont Fische und andere Wasserlebewesen. Auch die marode Uferbefestigung wurde denkmalgerecht erneuert. Wasser- und Sumpfpflanzen werten die Uferbereiche zusätzlich auf.
Das Ergebnis: Rund um Burg Vischering entstehen neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Die Pflanzen binden CO₂ und speichern Kohlenstoff. Tiefe Gewässerzonen, Sumpfbereiche und Inseln tragen zur Kühlung der Umgebung bei. Zugleich machen die Maßnahmen die Gewässer widerstandsfähiger gegen Hitze, Trockenheit und Extremwetter. So verbindet das Projekt Natürlichen Klimaschutz, Klimaanpassung und den Erhalt eines bedeutenden Kulturdenkmals. Die Burg Vischering bleibt ein Besuchermagnet im Münsterland und zeigt, wie Natürlicher Klimaschutz auch an historischen Orten wirken kann.