Öffnet eine externe Seite Link zur Startseite

Bundesamt für Naturschutz

Renaturierung in Schutzgebieten: Mehr natürliche Dynamik für Flüsse und Auen

Presse
Gewässer und Auen
03.06.2026
Bonn
Renaturierungen von Fließgewässern und Auen stärken bedrohte Lebensräume und helfen, Klima- und Naturschutzziele zu erreichen. Ein neuer Leitfaden zeigt nun, wie in Schutzgebieten die Ziele von Naturschutz und Gewässerentwicklung gemeinsam umgesetzt werden können.
grüne Flusslandschaft umgeben von Umlagerungen von Kies und Sand
Flüsse sind dynamische Lebensräume. Durch Umlagerungen von Kies und Sand entstehen offene Pionierlebensräume.

Naturnahe Gewässer und Auen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in Deutschland. Ihre Vielfalt ist jedoch gefährdet. Viele typische Arten und Lebensräume wie Auenwälder, Altarme und Auenwiesen befinden sich in Deutschland in einem ungünstigen Erhaltungszustand. Hauptursachen sind frühere Eingriffe wie Flussbegradigungen und Entwässerungen sowie intensive Nutzungen. Auch Schutzgebiete sind davon betroffen. Durch Renaturierungsmaßnahmen sollen deshalb natürliche Prozesse wie Überschwemmungen und Umlagerungen von Sand und Kies wiederhergestellt werden, um bedrohten Tier- und Pflanzenarten bessere Lebensbedingungen zu bieten.

In der Praxis können bei solchen Projekten jedoch Konflikte entstehen, wenn beispielsweise Flächen nach der Rückverlegung von Uferdämmen häufiger überflutet werden. Während einige Akteure bestehende Lebensräume in Schutzgebieten möglichst unverändert erhalten wollen, setzen andere auf mehr natürliche Entwicklung und Dynamik. Dadurch entstehen Zielkonflikte zwischen verschiedenen geschützten Lebensraumtypen und Arten, insbesondere in Natura-2000-Gebieten. Für Behörden und Planer führt dies oft zu rechtlichen und fachlichen Unsicherheiten.

Ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben des Bundesamts für Naturschutz mit dem Titel „Mehr Dynamik bei der Gewässer- und Auenentwicklung - Ansätze zur Lösung des Spannungsfeldes Prozessschutz – günstiger Erhaltungszustand in Natura 2000-Gebieten“ hat sich deshalb mit der Frage beschäftigt, wie praktikable Lösungen vor Ort diesen Unsicherheiten bei Renaturierungen in Schutzgebieten begegnen können. Diese müssen sowohl den rechtlichen Anforderungen als auch der praktischen Umsetzung der Maßnahmen Rechnung tragen. Denn in vielen Schutzgebieten besteht ein hoher Handlungsbedarf, um die schwindenden Vogelbestände auf Feuchtwiesen und abnehmende Pflanzen- und Insektenpopulationen zu erhalten. Dafür wurden Fachleute aus Verwaltung und Planung befragt sowie Erfahrungen aus Praxisprojekten ausgewertet.

Die Ergebnisse wurden nun in einem praxisorientierten Leitfaden zusammengefasst. Er soll Behörden, Planungsbüros und Ministerien dabei unterstützen, Renaturierungsprojekte von Gewässern und Auen rechtssicher und fachlich fundiert umzusetzen. Die hierzu notwendige frühzeitige Abstimmung der Naturschutz- und Wasserbehörden sowie der Pflegeverbände erleichtert die späteren Genehmigungs- und Umsetzungsschritte erheblich. Für die Beurteilung, ob sich Maßnahmen förderlich auf geschützte Arten und Lebensräume auswirken, sind verschiedene Prüfprozesse vorgesehen. Insgesamt werden verschiedene Handlungsoptionen aufgezeigt, um mögliche Zielkonflikte bei Gewässer- und Auenrenaturierungen in Schutzgebieten einvernehmlich zu lösen.

weiterführender Inhalt

Zurück nach oben