Wie viel Klimakrise verträgt der Wald? Gartengespräch des BfN im Tiergarten Nürnberg
„Mit den BfN-Gartengesprächen möchten wir Menschen miteinander ins Gespräch bringen über eine der größten Herausforderungen unserer Zeit: den Schutz der biologischen Vielfalt im Klimawandel. Gerade im Wald wird die Dringlichkeit dieser Aufgabe besonders deutlich. Die Folgen des Klimawandels sind längst sichtbar und zugleich sind viele Menschen wirtschaftlich und gesellschaftlich eng mit dem Wald verbunden. Deshalb müssen wir gemeinsam Antworten darauf finden, wie wir unsere Wälder stärken, ihre biologische Vielfalt erhalten und zugleich ihre vielfältigen Funktionen für uns Menschen sichern können“, sagte Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz und Initiatorin der bundesweiten Gesprächsreihe.
Dr. Dag Encke, Direktor des Tiergartens Nürnberg, ergänzte: „Faszinierend, wie der Dialog zwischen unterschiedlichen Fachleuten zu einem Blumenstrauß an Lösungen für komplexe Probleme führen kann. Die Diversität der Perspektiven muss eben nicht in Polarisierung münden, sondern kann die Vielfalt der Möglichkeiten zeigen. Eine schöne Erfahrung!“
Dürreperioden, Hitzewellen, Stürme, Waldbrände und Schädlingsbefall setzen vielen Waldökosystemen zunehmend zu. Damit geraten Ökosysteme unter Druck, die weit mehr leisten als Kohlenstoff zu speichern: Wälder regulieren den Wasserhaushalt, schützen Böden, bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum und sind zugleich Erholungs- und Wirtschaftsraum für den Menschen. Gleichzeitig wachsen die Erwartungen an den Wald als natürlichen Klimaschützer.
Aber wie kann die Widerstandsfähigkeit des Waldes langfristig gestärkt werden? Wie kann, wie sollte ein Wald der Zukunft aussehen, um in Zeiten des Klimawandels wichtige Funktionen wie Biodiversität, Wasserrückhalt und -speicher, CO2-Senke statt CO2-Quelle zu erfüllen? Und wie kann ein Wald zugleich auch wirtschaftlich zu sein?
Den fachlichen Auftakt der Veranstaltung machte Prof. Dr. Georg Winkel von der Universität Wageningen mit einem Impulsvortrag. Daran schloss sich eine von Dr. Andreas Mues (BfN) moderierte Gesprächsrunde an, die unterschiedliche Perspektiven auf die Zukunft der Wälder zusammenbrachte. Dabei ging es unter anderem darum, wie sich Klimaschutz, Biodiversitätsschutz und eine nachhaltige Waldnutzung verbinden lassen. Auch die Bedeutung von Wildnisgebieten sowie die Wiederherstellung geschädigter Waldökosysteme für den Klima- und Biodiversitätsschutz wurden in den Blick genommen.
Gemeinsam mit Sabine Riewenherm und Dr. Dag Encke sprachen auf dem Podium:
- Dr. Britta Böhr, Leiterin des Nationalparks Schwarzwald
- Dr. Hans-Martin Hauskeller, Vorsitzender des Fachausschusses für Klimaschutz und Biodiversität des Deutschen Forstwirtschaftsrats (DFWR)
- Kirsten Krüger, Luftbild, Umwelt, Planung GmbH und Technische Universität München, Lehrstuhl für Ökosystemdynamik und Waldmanagement
- Dr. Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent beim BUND Naturschutz in Bayern e. V.
Letztlich waren sich alle einig, dass der Wald sich bereits unter anderem durch den Klimawandel stark verändert und eine Offenheit für diesen Wandel ein wichtiger Schlüssel für den erforderlichen Waldumbau ist. Dies bedeutet auch, das eigene Naturschutzverständnis zu hinterfragen, in Waldstrukturen statt nur über einzelne Arten zu diskutieren und zu handeln.
Beim anschließenden „Walk and Talk“ über den Klimawaldpfad des Tiergartens Nürnberg hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, einzelne Aspekte des zuvor Gehörten aufzugreifen und den Austausch in kleineren Gruppen mit den Podiumsgästen fortzusetzen. Ein Get-Together bildete den Abschluss des Gartengesprächs.
Hintergrund
Die BfN-Gartengespräche wurden 2022 von BfN-Präsidentin Sabine Riewenherm initiiert. Sie finden zweimal jährlich in Kooperation mit botanischen oder zoologischen Gärten in verschiedenen deutschen Städten statt. Ziel ist der BfN-Gartengespräche ist es, den Austausch zwischen Wissenschaft, Verwaltung auf Bund-, Landes- und kommunaler Ebene und der interessierten Öffentlichkeit zu fördern über den Klimawandel und die Auswirkungen auf die Biodiversität. Botanische und zoologische Gärten sind für das BfN wichtige Partner: Sie unterstützen das BfN beim internationalen Artenschutz im Rahmen der Vollzugsaufgaben zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen, leisten Beiträge zur Umweltbildung und sind zugleich wichtige Orte des gesellschaftlichen Austauschs und der Erholung im urbanen Raum.
Nach Stationen in Bonn, Berlin, Leipzig, Köln, Osnabrück, Stralsund, Stuttgart und München war das Gartengespräch in Nürnberg ein weiterer Baustein der bundesweiten Reihe, die die Zusammenhänge zwischen Biodiversität und Klimawandel aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und verschiedene gesellschaftliche Gruppen miteinander ins Gespräch bringt.