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Wandernde Tierarten in der Mongolei

Wandernde Tierarten in der Mongolei können zuvor abgesperrtes Gelände durchqueren

Ein Khulan durchquert eine zuvor blockierte Stelle | Foto: Kirk Olson/WCS
Ein Khulan durchquert eine zuvor blockierte Stelle | Foto: Kirk Olson/WCS

Putbus/Insel Vilm, 26. Juni 2020: Nach 65 Jahren können wandernde Tierarten in der Mongolei einen zuvor blockierten Durchgang nutzen und haben nun Zugang zu einem größeren Lebensraum. Die Internationale Naturschutzakademie Insel Vilm des BfN war am intensiven Dialog mit allen Akteuren beteiligt. Die Beratungen waren Voraussetzung dafür, dass die Zaunöffnungen in wissenschaftlich fundierter Weise möglich wurden.

Mitte Juni veröffentlichte die Wildlife Conservation Society (WCS) ein Foto einer Wildtierkamera, das einen asiatischen Wildesel oder Khulan (Equus hemionus hemionus) beim Durchqueren einer zuvor blockierten Stelle entlang der Transmongolischen Eisenbahn zeigt. Der Durchgang ist Teil des Projekts Wildtierfreundliche Zaunkorridore der Transmongolischen Eisenbahn, das durch einfache Veränderungen an Zaunkonstruktionen die Durchquerung von wandernden Arten ermöglicht.

„Wir freuen uns über diese großartige Nachricht aus der Mongolei. Sie zeigt, dass Zaunöffnungen tatsächlich funktionieren und für die Wiederherstellung der Wanderrouten von entscheidender Bedeutung sind. Ungehinderte Wanderungen sind wichtig für das langfristige Überleben der Wildtierpopulationen. Die Veränderungen an den Zäunen sind das Ergebnis einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Expertinnen und Experten, Nichtregierungsorganisationen, Behörden und internationalen Organisationen“, sagt Andrea Strauss von der Internationalen Naturschutzakademie Insel Vilm. Die Akademie hat den Prozess mit Workshops, sowohl in der Mongolei als auch auf der Insel Vilm, Beratungen und Studien über viele Jahre hinweg in enger Zusammenarbeit mit der Konvention über wandernde Arten (CMS) sowie anderen Interessengruppen begleitet.

In der ersten Pilotphase des Projekts bieten Zaunlücken an zwei Stellen eine sichere Passage für den Khulan und andere Arten wie die Mongolische Gazelle und die Kropfgazelle. Nach Angaben der WCS sind weitere Übergänge für Wildtiere geplant.

Straßen, Eisenbahnen und andere Infrastrukturen stellen eine Bedrohung für wandernde Arten dar, da sie ihnen den Zugang zu wichtigen Lebensräumen versperren. Seit 1955, seit der Fertigstellung der Transmongolischen Eisenbahn, war den Tieren der Zugang zu den östlichen Grasländern der Mongolei versperrt. Jedes Jahr verfangen sich außerdem viele mongolische Gazellen in den Korridorzäunen und viele weitere verhungern, da sie die Weiden nicht erreichen.

Das Projekt wurde durchgeführt von der Wildlife Conservation Society (WCS) in Partnerschaft mit der Eisenbahnbehörde von Ulaanbaatar, der Mongolischen Akademie der Wissenschaften, und finanziert von Oyu Tolgoi LLC sowie dem Sekretariat für die Konvention über wandernde Arten, dem mongolischen Ministerium für Natur, Umwelt und Tourismus und dem Ministerium für Straßen, Transport und Entwicklung der Mongolei.