Naturschutzfachliche Einordnung von Unterwasserschalleffekten (NEUSE)
Beschreibung
Hintergrund
Die zunehmende Industrialisierung der Meere durch Offshore Windparks (OWP), Schifffahrt, Rohstoffgewinnung, sowie die wachsende Notwendigkeit zur Beseitigung von Altmunition im Meer führt zu immer mehr Eingriffen in marine Ökosysteme. Diese Entwicklungen beeinflussen marine Lebensräume und Arten erheblich. Die Erfassung der damit einhergehenden Lärmemissionen sowie die Erstellung von Bewertungskonzepten sind daher essentiell, um die ökologischen Auswirkungen solcher Aktivitäten zu erkennen, zu bewerten und langfristig nachhaltige Maßnahmen abzuleiten. Dadurch sollen Gefahren für marine Arten frühzeitig identifiziert und Schutzmaßnahmen gezielt umgesetzt werden.
Bis 2045 soll gemäß WindSeeG die installierte Leistung an Offshore-Windenergie (OWE) auf 70 GW steigen. Um dieses Ausbauziel zu erreichen, ist zum einen eine Vervielfachung der Leistung und somit eine entsprechend erhöhte Anzahl zu errichtender Anlagen nötig, und zum anderen wird dadurch der OWP-bedingte Schiffsverkehr sowohl für den Bau als auch für die Wartung der Anlagen deutlich steigen. Beides hat einen erhöhten Eintrag von Lärmemissionen zur Folge, was verschiedene Auswirkungen auf hörsensitive Tiere, wie z.B. Schweinswale, haben kann. Mögliche Auswirkungen sind Hörverlust, Flucht oder reduzierte körperlicher Fitness durch lärmbedingte Unterbrechungen des Jagdverhaltens. Um diese Folgen zu adressieren, ist es dringend notwendig, eine Abschätzung des eingetragenen Lärms vorzunehmen und Vorschläge zur Leitung des Schiffsverkehrs zu entwickeln.
Projekt
Teil des Projekts ist die Auswertung vorhandener Unterwasserschalldaten (von Datentonnen und AMAR-Rekordern, die das BfN an verschiedenen Positionen ausgebracht hat) – mit dem Ziel, den Anteil von anthropogenem und natürlichem Schall am gemessenen Hintergrundschall zu bewerten und in einen zeitlichen (tageszeitlich, saisonal etc.) Kontext zu setzen. Neben der Trennung von natürlichen und anthropogenen Schallquellen soll das Projekt die Bewertung der Auswirkungen von Schiffschall (in den Schutzgebieten) inklusive der Abschätzung des Minderungspotentials durch Schallminderungsmaßnahmen wie z.B. Geschwindigkeitsreduzierungen, Zusammenlegung von Schifffahrtsrouten sowie mögliche technischer Maßnahmen am Schiff selbst in Abhängigkeit vom Schiffstyp ermöglichen.
Außerdem soll eine Vermessung und Beurteilung des OWP-Serviceverkehr erfolgen. Um Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung einführen zu können, muss zunächst untersucht werden, wie sich eine Geschwindigkeitsreduzierung auf den emittierten Lärmpegel bei den verschiedenen Schiffstypen des OWP-Serviceverkehrs auswirkt. Dies soll im Projekt im Rahmen einer Feldstudie untersucht werden.
Basierend auf diesen Daten sowie unter Nutzung weiterer Daten und Literaturquellen sollen Bewertungskonzepte zu unterschiedlichen Schallquellen/Aktivitäten für verschiedene in der AWZ vorkommende Tierarten erstellt werden, Überlegungen zu kumulativen Bewertungsmethoden vorgenommen und so weit möglich biologische Grenzwerte abgeleitet werden. Alle Ergebnisse sollen schließlich in eine Gesamtstrategie einfließen und Vorschläge zur Erfüllung der MSRL Umweltziele (Lärmminderungsmaßnahmen in Nord- und Ostsee sowie Ableitung und Anwendung von Schallgrenzwerte) formulieren.
Hinsichtlich der Berücksichtigung naturschutzfachlicher Belange bei der Beseitigung bzw. Sprengung von Altmunition sowie bei Sprengungen zu militärischen Übungszwecken, sollen weitere Untersuchungen zur Wirksamkeit von Vergrämungsmaßnahmen und Minderungsmaßnahmen vorgenommen werden.
Ausblick
Die Erfassung und Beurteilung anthropogener Lärmbelastung sowie die Erstellung von Bewertungskonzepten sind essentiell, um die ökologischen Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die verschiedenen Tierarten bewerten zu können. Die Ableitung von Maßnahmen, Grenzwerten, sowie einer Gesamtstrategie sind unerlässlich, um langfristig eine nachhaltige Nutzung der Meere zu gewährleisten. Das Projekt wird außerdem einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie leisten.