Operationalisierung von Technikfolgenabschätzung für die Bewertung gentechnisch veränderter Organismen (GVO)
Beschreibung
Hintergrund
Bevor GVO in die Umwelt freigesetzt oder in Verkehr gebracht werden dürfen, müssen die mit ihnen verbundenen Umwelt- und Gesundheitsrisiken geprüft werden. Diese Bewertung erfolgt nach naturwissenschaftlichen Kriterien und Methoden. Allerdings ist bereits die Festlegung dessen, was als schützenswert gilt und welche möglichen Auswirkungen als Risiken betrachtet werden, nicht ausschließlich wissenschaftlich begründbar, sondern beruht auf Werturteilen und gesellschaftlichen Aushandlungen. Die Frage, welche Veränderungen der Umwelt oder welche potenziellen Risiken zu akzeptieren sind, ist daher letztlich normativer Natur. Vor diesem Hintergrund wurden in der gesellschaftlichen Debatte um die Anwendung von Gentechnik immer schon auch Aspekte diskutiert, die über die naturwissenschaftliche Risikobewertung hinausgehen, wie z.B. die Patentierung von Saatgut oder die Auswirkungen von GVO-Anbau in Exportländern.
Zielsetzung
Eine umfassendere Technikbewertung bezieht neben der Bewertung gesundheitlicher und ökologischer Fragestellungen auch sozialökonomische, kulturelle, gesellschaftliche, naturphilosophische und ethische Aspekte ein. Die Sozial-, Human-, und Geisteswissenschaften bieten eine Reihe von Bewertungsgesichtspunkten, die aber für Angehörige anderer Disziplinen oft schwer zugänglich sind. Ziel des Projektes ist es diese Bewertungsgesichtspunkte umfassend darzustellen und zu systematisieren. Dies beinhaltet:
- Eine Analyse der wichtigsten Grundbegriffe und Bewertungskonzepte der Technikfolgenabschätzung, die im Gentechnik-Diskurs Anwendung finden;
- Die Erarbeitung eines methodischen Vorgehens für eine umfassende Technikbewertung.
Die Ergebnisse werden in einem Buch veröffentlicht, um zu einem breiteren wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Diskurs beizutragen.