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Bundesamt für Naturschutz

Weltkugel aus Glas im Gras liegend

Niedrigwasser entgegenwirken: Potenziale natürlicher Ökosysteme nutzen

Presse
Gewässer und Auen
07.09.2026
Bonn
Dürre und Niedrigwasser setzen Gewässer und Ökosysteme unter Druck. Naturnahe Flüsse und Auen sowie ein ausgeglichener Landschaftswasserhaushalt können Wasser speichern, Hochwasser abmildern und zum natürlichen Klimaschutz beitragen.
Ein trockenes Flussbett bei sonnigem Wetter
Niedrigwasser in Deutschland

Die Dürre und die im Sommer 2026 aufgetretenen geringen Abflüsse in unseren Gewässern zeigen, wie stark anhaltende Trockenheit und zunehmende Hitze den Wasserhaushalt und die Gewässerökosysteme bereits heute belasten. Deutschland erlebt infolge der anhaltenden Trockenheit eine extreme Niedrigwassersituation. Insbesondere Rhein und Elbe, aber auch weitere Flüsse verzeichneten mancherorts historische Niedrigwasserstände. Die Natur kann hier einen relevanten Beitrag leisten: Mehr Raum für Flüsse und Auen sowie ein naturnaher Landschaftswasserhaushalt machen Landschaften und Ökosysteme resilienter gegenüber zunehmenden Extremen und leisten einen wichtigen Beitrag zum natürlichen Klimaschutz.

Niedrigwasser, Dürren und Hitzewellen stellen bereits heute erhebliche Herausforderungen dar und werden ebenso wie Hochwasserereignisse und Sturzfluten durch den fortschreitenden Klimawandel voraussichtlich häufiger und heftiger. Gleichzeitig verstärkt der Klimawandel auch den Biodiversitätsverlust: Infolge von Niedrigwasser und hohen Wassertemperaturen kommt es in mehreren Regionen zu Artensterben, unter anderem verlieren austrocknende Bäche und Kleingewässer wichtige Lebensräume für Fische, Amphibien und Wasserinsekten. Auch Wälder leiden massiv unter Hitze und Trockenheit. Bäume können vorzeitig ihre Blätter abwerfen, ihr Wachstum reduzieren und an Vitalität verlieren. Zugleich trocknen Böden und Vegetation aus, wodurch die Waldbrandgefahr steigt.

Intakte Ökosysteme können einem Niedrigwasser entgegenwirken, Hochwasser abmildern, zum natürlichen Klimaschutz beitragen und wichtige Lebensräume für zahlreiche Arten bieten. Ein naturnaher Landschaftswasserhaushalt fungiert wie eine Schwammlandschaft, die Wasser aufnimmt, speichert und somit zeitverzögert und gleichmäßiger wieder abgibt. Mehr Wasser in der Landschaft reduziert auch das Risiko von Waldbränden.  

Über Jahrzehnte wurden große Teile der Landschaft mit erheblichem Aufwand entwässert und z. B. durch Flussbegradigungen oder die Trockenlegung von Feuchtgebieten zu einer Entwässerungslandschaft umfunktioniert. So sind z. B. zwei Drittel der Flussauen bundesweit vom Überschwemmungsgeschehen durch Deiche abgetrennt und von den verbleibenden Auen sind nur noch 9 % ökologisch intakt. Im Rahmen eines vom BfN initiierten Forschungsvorhabens wird derzeit eine Übersicht über den Entwässerungszustand Deutschlands erarbeitet und eine Bewertung der ökologischen Auswirkungen vorgenommen. Die Situation der deutschen Auen wird in regelmäßigen Abständen im Auenzustandsbericht des BfN dargestellt.

Neben Maßnahmen zum Wasserrückhalt in der Fläche verbessern z. B. auch Wiederanbindungen von Altauen an die Überflutungsdynamik eines Flusses die Fähigkeit der Landschaft, Wasser zu speichern. Dies erhöht die Grundwasserneubildungsraten und damit den Grundwasserspiegel. In besonders niederschlagsarmen Phasen stabilisiert dies die Wasserführung der Flüsse, womit Niedrigwasser entgegengewirkt wird. Außerdem haben intakte Auen eine Kühlwirkung auf ihre Umgebung und verbessern die Wasserqualität. Gleichzeitig werden durch die Wiedervernässung von Auen und anderen Feuchtgebieten erhebliche Mengen an Treibhausgasen gebunden und somit wirksamer Klimaschutz betrieben.

Der weitere Ausbau der Flüsse zur Verbesserung der Schiffbarkeit sollte sehr sorgfältig überlegt werden, denn er kann das grundlegende Problem klimawandelbedingt rückläufiger Abflüsse nicht lösen. Weitere Tieferlegungen der Flusssohle können den Wasserspiegel des Flusses und, infolge der hydraulischen Verbindung, auch den Grundwasserspiegel in den angrenzenden Auen absenken, was aufgrund der erheblichen negativen Auswirkungen auf den Landschaftswasserhaushalt und insbesondere auf die Gewässer- und Auenökologie unbedingt zu vermeiden ist. Wichtig ist, zukünftig die Schifffahrt an die veränderten Verhältnisse des Flusses anzupassen und Schiffe mit geringerem Tiefgang einzusetzen – und nicht umgekehrt.

Das BfN fördert über das Förderprogramm Auen im Blauen Band Vorhaben zu Auenrenaturierungen entlang der Bundeswasserstraßen. In zahlreichen Projekten werden in Kooperation mit der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes Renaturierungsmaßnahmen im Gewässerbett-, Ufer- und Auenbereich durchgeführt. Das Bundesprogramm Blaues Band Deutschland ist ein gutes Beispiel mit Leuchtturmcharakter. Es zeigt: Schifffahrt, ökologische Gewässerentwicklung und Auenrenaturierungen der Bundeswasserstraßen können miteinander einhergehen und sind keine Gegensätze. Diese Verbindung sollte zukünftig noch stärker genutzt und vermehrt umgesetzt werden.   

Ferner investiert das BfN seit vielen Jahren mit Mitteln des BMUKN in Maßnahmen, die zugleich die Resilienz gegenüber Hochwasser und Niedrigwasser erhöhen und die Gewässer- und Auenfunktionen wiederherstellen. Neben dem Förderprogramm Auen wurden z. B. über die Naturschutzgroßprojekte „Mittlere Elbe“ (ca. 600 ha) und „Lenzener Elbtalaue“ (ca. 420 ha) großräumige Deichrückverlegungen umgesetzt; ebenso z. B. an der „Hohen Garbe“ über das Bundesprogramm Biologische Vielfalt (ca. 420 ha). Arbeiten des BfN haben beispielsweise aufgezeigt, dass durch die Wiedervernässung organisch geprägter Auen der Bundeswasserstraßen in Deutschland potentiell Treibhausgasemissionen von ca. 3-4 Mio. t CO2 pro Jahr eingespart werden könnten.