Bundesamt für Naturschutz

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Auenzustand

Bundesweite Erfassung und Bewertung der Flussauen

Überflutete Siegaue
frisch umgepflügter Acker

Mit dem Auenzustandsbericht 2021 (14,5 MB) wird zum zweiten Mal ein bundesweiter Überblick über die räumliche Ausdehnung der Flussauen, den Verlust von Überschwemmungsflächen (Karte, 3 MB) und den Zustand der rezenten Flussauen in Deutschland (Karte, 7 MB) gegeben. Zu diesem Zweck wurden die Auenabgrenzung und die Bewertung auf der Grundlage aktueller bzw. neuer Datenquellen überarbeitet. Wie bereits im Auenzustandsbericht von 2009 beziehen sich die Ergebnisse auf die Auen von 79 Flüssen ab einem Einzugsgebiet  von 1.000 km2 mit einer Gesamtlänge von 10.297 Flusskilometern und einer Gesamtfläche von 16.185 km² (4,5 % der Fläche Deutschlands). Im BfN-Skript 591 (9 MB) werden die methodischen Grundlagen zum Auenzustandsbericht 2021 erläutert.

Die zentralen Ergebnisse des Auenzustandsberichts 2021 sind:

  • Nach wie vor können nur rund ein Drittel der ehemaligen Überschwemmungsflächen an Flüssen überflutet werden. Diese als rezente Aue bezeichneten Flächen, stehen zwei Drittel Altauen gegenüber, die durch Deichbau bei Hochwasser gegenwärtig nicht mehr als Retentionsraum einbezogen werden.

  • Seit dem Erscheinen des ersten Auenzustandsberichts 2009 wurden bundesweit durch Rückbau, Rückverlegung und Schlitzung von Deichen 4.183 ha überflutbare Auenflächen zurückgewonnen. Damit beträgt der Zugewinn an den 79 Flüssen im gesamten Betrachtungszeitraum von 1983 bis 2020 insgesamt 7.100 ha. Das entspricht einer Vergrößerung der überflutbaren Flussauen um rund 1,5 %. Trotz dieser Erfolge ist das bundesweite Potenzial für die Wiederanbindung von Auenflächen von einigen zehntausend Hektar bislang erst zu einem kleinen Teil ausgeschöpft.

  • Der Auenzustand ist weiterhin erheblich verändert: Nur knapp 1 % der rezenten Flussauen sind sehr gering verändert (Auenzustandsklasse 1) sowie 8 % gering verändert (Auenzustandsklasse 2) und damit noch weitgehend ökologisch funktionsfähig. 33 % der Flussauen werden als deutlich verändert bewertet (Auenzustandsklasse 3). Das Vorherrschen der Auenzustandsklassen 4 (stark verändert) und 5 (sehr stark verändert) mit 32 % bzw. 26 % spiegelt die noch immer intensive Nutzung der Flusslandschaften wider. Gegenüber dem Auenzustandsbericht 2009 zeigt sich dabei ein weitgehend ähnliches Gesamtbild der Verteilung der Auenzustandsklassen.

  • Die Nutzung der rezenten Auen ist mit einem Flächenanteil von 43 % weiterhin von Grünland dominiert. Zu 26 % bzw. 7 % werden die rezenten Auen als Ackerflächen sowie als Siedlungs-, Verkehrs- und Gewerbeflächen genutzt. Nur 16 % sind Wälder. Die Veränderungen der Flächenanteile sind gegenüber 2009 gering.

  • Deutschlandweit wurden seit Anfang der 1980er Jahre bis 2020 etwa 223 größere Auenrenaturierungsprojekte an Flüssen umgesetzt, davon 167 innerhalb der Gebietskulisse des Auenzustandsberichts (79 Flüsse). Seit dem Jahr 2000 werden vermehrt Auenrenaturierungen und Deichrückverlegungen an Flüssen umgesetzt, allein 80 Projekte seit dem Erscheinen des Auenzustandsberichts von 2009. An einigen Flüssen sind regional bereits messbare Verbesserungen des Auenzustands zu verzeichnen. Dies reicht aber noch nicht aus, um auch bundesweit zu einer Trendwende zu kommen. So werden z.B. die Ziele der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt, die naturraumtypische Vielfalt der Gewässer- und Auenlebensräume zu sichern und die natürlichen Überflutungsflächen an Flüssen um 10 % zu vergrößern, bislang deutlich verfehlt. Daher besteht weiterhin ein dringender Handlungsbedarf, im Rahmen langfristiger und umfassender Programme den Flüssen in Deutschland wieder mehr Raum zu geben und naturnahe Auen zu entwickeln.


Auenbewertung eigenständig durchführen

Das Verfahren zur Auenzustandsbewertung liegt auch als Software-Anwendung AuenZEB  vor. Mit dem Bewertungsverfahren können Bundesländer, Forschungsinstitutionen und weitere Interessierte eigenständige Erhebungen durchführen. Das Verfahren kann für Ersterfassungen, Erfolgskontrollen von Renaturierungsmaßnahmen sowie Detailkartierungen von Auenabschnitten angewendet werden. Es gliedert sich in ein Übersichts- und ein Detailverfahren, deren Anwendung in den zwei BfN-Skripten Band 1: Grundlagen und Vorgehensweise  (8,5 MB)  und Band 2: Benutzerhandbuch zur Software-Anwendung AuenZEB 1.0  (6,5 MB)  erläutert werden.

Hier können Sie die Software-Anwendung, die Handlungsanleitung zur Auenzustandsbewertung und weitere fachliche Grundlagen herunterladen.


Biozönotische Auenzustandsbewertung

Vor dem Hintergrund zahlreicher Renaturierungsmaßnahmen an Fließgewässern und deren Auen zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), aus naturschutzfachlichem Anlass und zum Zwecke des Hochwasserschutzes sowie künftig im Rahmen des Bundesprogramms „Blaues Band Deutschland“ steigt der Bedarf an standardisierten Erfolgskontrollen, um die „biologische Wirksamkeit“ von Renaturierungen auch für die Ufer und die angrenzenden Auenbereiche zu erfassen. Die vorhandenen Bewertungsverfahren beziehen sich entweder nur auf Gewässerlebensräume (WRRL-Monitoring) oder es werden nur ausgewählte, naturschutzfachlich besonders bedeutende Arten und Lebensraumtypen bewertet (FFH-Monitoring). Daher wird derzeit im Auftrag des BfN ein Bewertungsverfahren erarbeitet. Ziel ist es, ein praxistaugliches Verfahren zur biozönotischen Auenzustandsbewertung und Erfolgskontrolle von Renaturierungsmaßnahmen in Ufer- und Auenbereichen bereitzustellen. Das Vorhaben baut auf bereits als Machbarkeitsstudie (2,6 MB) veröffentlichten Vorarbeiten auf.

Weitere Informationen zur biozönotischen Auenzustandsbewertung finden Sie hier


Verlust von Überschwemmungsflächen

Zustand der rezenten Flussauen

Letzte Änderung: 23.03.2021

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