Fledermausschutz durch Kuh & Co. (FleKuCo)
Fledermausschutz durch Kuh & Co
Hintergrund
Der Große Abendsegler (Nyctalus noctula) zählt zu den häufigsten registrierten Schlagopfern von Fledermäusen an Windkraftanlagen (Dürr 2022). Beim Ausbau von Windkraftanlagen ist daher ein negativer Bestandstrend zu befürchten, auch wenn ein Zusammenhang noch diskutiert wird (Bayerisches Landesamt für Umwelt 2022). Schon jetzt sind starke Bestandsrückgänge zu verzeichnen. Überlebens- und Reproduktionsraten des Abendseglers und anderer Arten können durch lebensraumaufwertende Maßnahmen erheblich verbessert werden, wodurch die Insektenbiomasse ansteigt und dem Bestandstrend entgegenwirkt. Dies kann durch Schaffung und Erhaltung von Feuchtlebensräumen und extensive Grünlandnutzung durch Beweidung erreicht werden.
Projekt
Das Projekt „Fledermausschutz durch Kuh & Co.“ wird gemeinsam vom Deutschen Verband für Landschaftspflege, dem BUND Naturschutz Bayern, der Ludwigs-Maximilian-Universität München und acht bayerischen Landschaftspflegeverbänden ab 2026 in 9 Projektregionen verteilt in fast ganz Bayern umgesetzt. Schwerpunkt und Ziel des Projektes ist es, die Jagdgebiete der dort vorkommenden Fledermausarten mit dem Schwerpunkt auf den Großen Abendsegler erheblich zu verbessern und die Population langfristig zu stabilisieren und zu fördern. Hierfür erfolgt die Etablierung bzw. Ausweitung extensiver Beweidung durch Rinder, Pferde oder Wasserbüffel auf rund 1.000 Hektar Projektgebietsfläche. Gerade diese Weidetiere eignen sich sehr gut für die Beweidung auf großflächigen nassen Weiden und Feuchtlebensräumen. Durch die angepasste Beweidung soll die Insektenbiomasse auf den Flächen steigen. Zudem ermöglicht die Form der Beweidung eine Schaffung vielfältiger Raumstrukturen durch Trittschäden und unterschiedliche Intensität der Grasung.
Weitere Maßnahmen sind die Anlage von Stillgewässern und Pflanzung von Einzelgehölzen bzw. Gehölzgruppen (sofern keine anderen naturschutzfachlichen Zielsetzungen, z.B. Wiesenbrüterschutz dagegen sprechen). Diese erhöhen zusätzlich das Insektenartenspektrum und verbreitern dadurch die Nahrungsbasis für Fledermäuse; zudem jagen viele Fledermausarten bevorzugt im Umfeld von Gehölzen (Manon et al. 2025).
Eine Besonderheit des Projektes stellt die Etablierung einer beweideten Flussaue durch eine behirtete Rinderherde dar. Diese traditionelle Nutzungsform, die in vielen europäischen Ländern noch praktiziert wird, trägt zur hohen Biodiversität in Auen bei. Diese Maßnahme wird im Projektgebiet des Bund Naturschutz Bayern durchgeführt und während der Projektlaufzeit wissenschaftlich begleitet durch die Ludwigs-Maximilian-Universität München.
Ausblick
Das Projekt trägt langfristig zur Verbesserung der Insektenbiomasse und damit zum Schutz von windkraftsensiblen Arten bei. Neben Fledermäusen profitieren Vögel, Amphibien und Reptilien. Die angestrebten Habitatmosaike (Gewässer, feuchtes Weideland, lockere Gehölzstrukturen) werden Nahrungs- und Reproduktionsstätten schaffen. Der Erhalt von extensivem Grünland, als terrestrischer Kohlenstoffspeicher, trägt zum Klimaschutz bei. Der Biotopverbund wird auf längere Sicht verbessert durch ein Netz naturnaher Lebensräume. Nicht zuletzt trägt das Projekt zum Erhalt eines traditionellen Handwerks bei.