KiNo - Kiebitzschutz in Norddeutschland – Umsetzung und Evaluation von Maßnahmen
Kiebitzschutz in Norddeutschland
FKZ 3525AHP11A-L
Hintergrund
Seit den 1980er‑Jahren ist der Kiebitzbestand in Deutschland um mehr als 90 Prozent zurückgegangen. Die Art wird daher in der Roten Liste als „stark gefährdet“ eingestuft. Als primäre Rückgangsursachen wurden insbesondere der Verlust von geeigneten Lebensräumen wie Feuchtwiesen und die Zerstörung von Gelegen durch landwirtschaftliche Bearbeitung identifiziert, die in Kombination mit einem nachfolgend erhöhten Prädationsdruck zu einer nicht ausreichenden Reproduktionsrate führen. Um den negativen Bestandstrend des Kiebitzes zu stoppen, werden dringend Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensraumqualität benötigt. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund des Ausbaus von Windenergieanlagen im Zuge der Energiewende, der die Habitatqualität von Kiebitz-Lebensräumen zusätzlich verschlechtern könnte.
Projekt
Das Projekt umfasst verschiedene Projektgebiete innerhalb des nordwestdeutschen Vorkommenschwerpunkts des Kiebitzes in Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein‑Westfalen und Schleswig‑Holstein. Die beiden Hauptziele sind die Kiebitzbestände zu stabilisieren und den Reproduktionserfolg durch gezielte Verbesserungen der Habitatqualität zu erhöhen.
Hierzu werden in den Projektgebieten unterschiedliche Maßnahmen umgesetzt. Im Vordergrund steht dabei die Optimierung des Wasserhaushalts. Kiebitze sind als spezialisierte Wiesenbrüter auf feuchte Lebensräume angewiesen, die ihnen geeignete Bedingungen zum Brüten und die Nahrungssuche bieten. Dies gilt insbesondere auch für die Aufzucht der Küken, die als Nestflüchter das Nest unmittelbar nach dem Schlüpfen verlassen und von Beginn an selbst nach Nahrung suchen. Maßnahmen zur Schaffung entsprechender Lebensräume reichen von der Anlage flacher Blänken, Wasserlachen und Schlammflächen, Grabenaufweitungen und der Nutzung von Solarpumpen bis zur aktiven Bewässerung bis hin zu großflächigen und langfristigen Wiedervernässungen durch das Verschließen von Drainagen und Entwässerungsgräben.
Darüber hinaus umfasst das Projekt Maßnahmen zur Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung sowie zur Anlage von Extensivgrünland, Blühstreifen und -flächen. Auf Ackerstandorten werden sogenannte Kiebitzinseln angelegt. Dabei handelt es sich um temporäre Brachflächen innerhalb von Äckern, die während der Brutzeit nicht bewirtschaftet werden und als Brut‑ sowie Nahrungsstätten für Kiebitze dienen.
Ergänzt werden diese Maßnahmen des Habitatmanagements durch weitere Artenschutzmaßnahmen, wie der Markierung von Brutstandorten zum individuellen Schutz von Gelegen vor der Zerstörung durch landwirtschaftliche Bearbeitungsmaßnahmen. Da Prädation durch Säugetiere wie Fuchs und Marder in der Folge landwirtschaftlicher Intensivierung (Verkleinerung von Feuchtgebieten) den Reproduktionserfolg gefährden können, werden außerdem Maßnahmen zum passiven Prädationsmanagement umgesetzt, insbesondere durch die Einzäunung von Gelegen mit mobilen Elektrozäunen.
Um die Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen zu überprüfen und im laufenden Projekt zu optimieren, erfolgt eine wissenschaftliche Begleitung. Neben einem Bestandsmonitoring werden Kiebitze mit GPS-Sendern ausgestattet und ihre Raumnutzung vor dem Hintergrund der durchgeführten Maßnahmen analysiert. Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen, sollen die Schutzmaßnahmen weiter optimiert werden.
Ausblick
Die im Projekt umgesetzten Maßnahmen werden auch nach Projektende weiter betreut, erhalten und ggf. weiterentwickelt. In den Projektgebieten leben neben dem Kiebitz weitere gefährdete Wiesenvögel (Austernfischer, Brachvogel, Rotschenkel), die ebenfalls von den Maßnahmen profitieren. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in Fachzeitschriften, auf Fachtagungen und einem Workshop der Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht. Die gesammelten GPS‑Daten werden dauerhaft auf Movebank archiviert und stehen dort langfristig für wissenschaftliche Analysen bereit.