Öffnet eine externe Seite Link zur Startseite

Bundesamt für Naturschutz

KiNo - Kiebitzschutz in Norddeutschland – Umsetzung und Evaluation von Maßnahmen

Nationales Artenhilfsprogramm
Im Verbundprojekt werden Maßnahmen zur Stabilisierung und Erhöhung der Kiebitzbestände umgesetzt und im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitung mit Hilfe von GPS-Tracking evaluiert und optimiert.
Bundesland
Bremen
Hamburg
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Schleswig-Holstein
Zuständiges Fachgebiet
Fachgebiet II 1.1 Zoologischer Artenschutz
Laufzeit
01.03.2026 – 28.02.2032
Fläche in Hektar
38.300 ha
Lage
Nordwestdeutschland
Finanzvolumen
8.806.600  €
Ein Kiebitz steht im Seitenprofil auf einer grünen, leicht grasbewachsenen Anhöhe vor einem hellblauen Hintergrund.
Kiebitz Männchen mit charakteristischer, langer Federholle

Kiebitzschutz in Norddeutschland

FKZ 3525AHP11A-L

Hintergrund

Seit den 1980er‑Jahren ist der Kiebitzbestand in Deutschland um mehr als 90 Prozent zurückgegangen. Die Art wird daher in der Roten Liste als „stark gefährdet“ eingestuft. Als primäre Rückgangsursachen wurden insbesondere der Verlust von geeigneten Lebensräumen wie Feuchtwiesen und die Zerstörung von Gelegen durch landwirtschaftliche Bearbeitung identifiziert, die in Kombination mit einem nachfolgend erhöhten Prädationsdruck zu einer nicht ausreichenden Reproduktionsrate führen. Um den negativen Bestandstrend des Kiebitzes zu stoppen, werden dringend Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensraumqualität benötigt. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund des Ausbaus von Windenergieanlagen im Zuge der Energiewende, der die Habitatqualität von Kiebitz-Lebensräumen zusätzlich verschlechtern könnte.

Projekt

Das Projekt umfasst verschiedene Projektgebiete innerhalb des nordwestdeutschen Vorkommenschwerpunkts des Kiebitzes in Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein‑Westfalen und Schleswig‑Holstein. Die beiden Hauptziele sind die Kiebitzbestände zu stabilisieren und den Reproduktionserfolg durch gezielte Verbesserungen der Habitatqualität zu erhöhen.

Hierzu werden in den Projektgebieten unterschiedliche Maßnahmen umgesetzt. Im Vordergrund steht dabei die Optimierung des Wasserhaushalts. Kiebitze sind als spezialisierte Wiesenbrüter auf feuchte Lebensräume angewiesen, die ihnen geeignete Bedingungen zum Brüten und die Nahrungssuche bieten. Dies gilt insbesondere auch für die Aufzucht der Küken, die als Nestflüchter das Nest unmittelbar nach dem Schlüpfen verlassen und von Beginn an selbst nach Nahrung suchen. Maßnahmen zur Schaffung entsprechender Lebensräume reichen von der Anlage flacher Blänken, Wasserlachen und Schlammflächen, Grabenaufweitungen und der Nutzung von Solarpumpen bis zur aktiven Bewässerung bis hin zu großflächigen und langfristigen Wiedervernässungen durch das Verschließen von Drainagen und Entwässerungsgräben. 

Darüber hinaus umfasst das Projekt Maßnahmen zur Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung sowie zur Anlage von Extensivgrünland, Blühstreifen und -flächen. Auf Ackerstandorten werden sogenannte Kiebitzinseln angelegt. Dabei handelt es sich um temporäre Brachflächen innerhalb von Äckern, die während der Brutzeit nicht bewirtschaftet werden und als Brut‑ sowie Nahrungsstätten für Kiebitze dienen.

Ergänzt werden diese Maßnahmen des Habitatmanagements durch weitere Artenschutzmaßnahmen, wie der Markierung von Brutstandorten zum individuellen Schutz von Gelegen vor der Zerstörung durch landwirtschaftliche Bearbeitungsmaßnahmen. Da Prädation durch Säugetiere wie Fuchs und Marder in der Folge landwirtschaftlicher Intensivierung (Verkleinerung von Feuchtgebieten) den Reproduktionserfolg gefährden können, werden außerdem Maßnahmen zum passiven Prädationsmanagement umgesetzt, insbesondere durch die Einzäunung von Gelegen mit mobilen Elektrozäunen.

Um die Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen zu überprüfen und im laufenden Projekt zu optimieren, erfolgt eine wissenschaftliche Begleitung. Neben einem Bestandsmonitoring werden Kiebitze mit GPS-Sendern ausgestattet und ihre Raumnutzung vor dem Hintergrund der durchgeführten Maßnahmen analysiert. Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen, sollen die Schutzmaßnahmen weiter optimiert werden.

Ausblick

Die im Projekt umgesetzten Maßnahmen werden auch nach Projektende weiter betreut, erhalten und ggf. weiterentwickelt. In den Projektgebieten leben neben dem Kiebitz weitere gefährdete Wiesenvögel (Austernfischer, Brachvogel, Rotschenkel), die ebenfalls von den Maßnahmen profitieren. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in Fachzeitschriften, auf Fachtagungen und einem Workshop der Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht. Die gesammelten GPS‑Daten werden dauerhaft auf Movebank archiviert und stehen dort langfristig für wissenschaftliche Analysen bereit.

Zuwendung (bestimmt) für

Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest
Birgit Beckers
Biologische Station Soest (ABU)
Teichstr. 19, 59505 Bad Sassendorf
02921 9698780
Biologische Station Kreis Steinfurt
Bahnhofstr. 71, 49545 Tecklenburg
BUND Landesverband Hamburg e.V.
Lange Reihe 29, 20099 Hamburg
Einheitsgemeinde Hamburg
Referat Arten- und Biotopschutz
Neuenfelder Str. 19, 21109 Hamburg
Institute for Wetlands and Waterbird Research e.V. (IWWR)
Am Steigbügel 3, 27283 Verden (Aller)
Michael-Otto-Institut im NABU (MOIN)
Goosstroot 1, 24861 Bergenhusen
NABU-Naturschutzstation Niederrhein
Keekener Str. 12, 47533 Kleve
Naturschutzbund Deutschland (NABU) Landesverband Hamburg e.V.,
Klaus-Groth-Str. 21, 20535 Hamburg
Stadtgemeinde Bremen
Referat 26 - Naturschutz und Landschaftspflege
An der Reeperbahn 2, 28217 Bremen
Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein
Eschenbrook 4, 24113 Molfsee
Universität Osnabrück
Abteilung für Biodiversität und Landschaftsökologie
Barbarastr. 11, 49076 Osnabrück
Zweckverband Ökologische Station Raddetäler
Werlter Str. 9, 49757 Vrees

Förderung durch

Bundesamt für Naturschutz mit Fördermitteln aus dem Nationalen Artenhilfsprogramm

Kontakt

Programmbüro Nationales Artenhilfsprogramm
Heinrich-Konen-Str.1, 53227 Bonn
0228 3821-1809
Zurück nach oben