Dialogforum: Insektenschutz in der Praxis
Im Mittelpunkt der Veranstaltung am 19. und 20. Mai standen die Erfahrungen aus Projekten des Bundesprogramms Biologische Vielfalt, die seit dem sogenannten „Insekten-Call“ im Jahr 2019 gefördert wurden. Damals hatten zahlreiche Verbände und Institutionen Projektideen eingereicht, um mit ganz unterschiedlichen Naturschutzmaßnahmen einen Beitrag zum Schutz und zur Förderung von Insekten beizutragen. Die Ansätze reichten von Blühstreifen in der Landwirtschaft über biodiversitätsfördernden Maßnahmen im urbanen Raum bis zu Bildungsprojekten oder dem Einsatz von KI. In Bonn kamen jetzt die Projektteams zusammen, um sich über ihre Projekterfahrungen auszutauschen und Empfehlungen für die Zukunft des Insektenschutzes zu erarbeiten.
Besondere Aufmerksamkeit galt dem Verbundprojekt BROMMI – Biosphärenreservate als Modelllandschaft für den Insektenschutz“ das gemeinsam von WWF Deutschland, dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und dem Verein Nationale Naturlandschaften umgesetzt wurde. Auf Initiative des jetzt auslaufenden Projektes blickten BfN und das Programmbüro im DLR-Projektträger gemeinsam mit dem Projektteams auf bisherige Erfahrungen zurück und identifizierten Erfolgsfaktoren für eine wirksame Umsetzung von Maßnahmen.
In ihrer Begrüßung betonte BfN-Präsidentin Sabine Riewenherm die Relevanz des Insektenschutzes in Deutschland: „Insekten sind an vielen essenziellen Ökosystemleistungen beteiligt: in der Bestäubung unersetzlich, als Nützlinge in der biologischen Kontrolle von Schädlingen, beim Abbau von organischem Material, im Wasser zur Reinhaltung von Gewässern, an Land beim Aufbau organischer Böden oder als Verwerter von Kot und Kadaver.“
Ein Umdenken in der Gesellschaft und im Handeln sei deshalb notwendig: weniger Pestizide, mehr Brachflächen, naturnahe Wälder und der Verzicht auf Versiegelung. „Insekten sind und bleiben gefährdet: von 14.000 Insektenarten, die in den Roten Listen Deutschlands untersucht wurden, sind über 4.600 Arten in ihrem Bestand gefährdet“, so Riewenherm weiter.
In diesem Zusammenhang hob sie die Bedeutung des 2019 beschlossenen Aktionsprogramms Insektenschutz der Bundesregierung hervor. Dieses umfasst unter anderem die Förderung insektenfreundlicher Lebensräume, strengere gesetzliche Vorgaben im Natur- und Pflanzenschutzrecht sowie Maßnahmen zur Verringerung von Pestizideinsatz und Lichtverschmutzung. Zugleich verwies Riewenherm auf die Nationale Biodiversitätsstrategie 2030, die Ende 2024 von der Bundesregierung verabschiedet wurde. Sie soll den Schutz und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verankern.
Der dazugehörige 1. Aktionsplan enthält konkrete Maßnahmen zur Förderung gefährdeter Arten und Lebensräume. Ergebnisse des NBS-Dialogforums in Bonn sollen dem BfN dazu dienen, die Erkenntnisse aus den Projekten im Bundesprogramm Biologische Vielfalt in den 2. Aktionsplan ab 2027 einfließen zu lassen.